Bei Jollibee gibt’s viel Bratensauce für wenig Geld

Ein Eimer Bratensoße

Perfekten Genuss erleben. Wie die Kette Jollibee Arbeit und Kapital miteinander versöhnt.
Perfekten Genuss erleben Von

Vor kurzem führte mich die Neugier in eine der wenigen europäischen ­Jollibee-Filialen. Jollibee ist eine philippinische Fastfood-Kette, die es in ihrem Heimatland geschafft hat, McDonald’s nachhaltig zu verdrängen – und gleichzeitig alles Gerede vom amerikanischen Kulturimpe­rialismus Lügen zu strafen. Sagte ich Neugier? Nein! Vielmehr der siedend heiße Hunger war’s, der mich ins ­Geschäft führte, und auch ein Missverständnis: Eigentlich dachte ich, hinter Jollibee stehe eine der der US-amerikanischen Ketten wie Wendy’s, Taco Bell und wie sie alle heißen. Mein Eindruck wurde natürlich schnell korrigiert: Die Bedienung, die Kundschaft, ja auch die Werbe-Testimonials waren alle erkennbar philippinisch. Offenbar folgt Jollibee der Strategie, Menschen fern der Heimat etwas Vertrautes zu ­bieten. Angeblich sind die meisten Kund:innen der Kette im Ausland Vertragsarbeiter:innen, die wieder einmal etwas von zu Hause naschen wollen.

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Ich bestellte selbstbewusst das »Jollibee Feast«, eine gewaltige Speisenansammlung, die neben einem Burger, einem Hackbraten, einer Portion Spaghetti und einem Hähnchenteil noch Chicken Nuggets, jede ­Menge Reis und einen kleinen Eimer Bratensoße umfasste – zu einem Preis, für den man bei McDonald’s gerade mal zwei lausige Menüs bekommt. Während ich die Gerichte vertilgte, lachte mich von überall her die Jollibee-Biene an, die ausweislich ihrer Erfinder:innen »Optimismus und gute Laune auch während der Arbeit« verströmen soll.

Wahrscheinlich ist die Bratensoße die geheime Zutat. Denn das Gefühl, eben nicht schnell und verschämt einem Trieb nachzugeben, sondern an etwas Intimen, einem Stück Heimat, einem üppigen Familienmahl teilzuhaben, verstärkte sich mit jedem verschmausten »Chicken Joy«. Auch den anderen Gäst:innen fehlte vollkommen die typische Fast-Food-Hast.

Ist Jollibee vielleicht die große Versöhnung – zwischen Slow Food und Schnellimbiss, zwischen Unterhaltung und Ernst, zwischen Arbeit und Kapital? Ist die glücklich an ihrem süßen Produkt naschende Arbeitsbiene nicht irgendwie auch sozialistische Utopie – im Gegensatz zum freudlosen Horrorclown Ronald? Oder war mir über alledem nur die Bratensoße zu Kopf gestiegen? Gleichwie: Ich gebe Jollibee 5 von 5 Genuss-Sternen!

An dieser Stelle schreibt Leo ­Fischer über seine persönlichen Erfahrungen in der Welt des ­Konsums. Seine Erlebnisse und Meinungsäußerungen erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.