Elon Musk versammelt einen Hofstaat um sich

Die Macht und ihr Preis

Was kümmert mich der Dax Von

Die Modelle von Tesla sind nicht so hässlich wie SUVs, doch die etwa zwei Tonnen schweren und in der billigsten Version knapp 50 000 US-Dollar teuren Gefährte weisen ihre Be­sitzer:innen als wohlhabend bis reich aus. Dennoch, so schien es lange, wurde es von einer bedeutenden Gruppe solventer Konsument:innen verachtet: jene, die der republikanischen Rechten in den USA anhängen. Schließlich handelt es sich um ein Elektroauto, das mit der verhassten »liberalen Elite« und ­ihrer Klimapolitik identifiziert wird. Noch den Wahlkampf zu den midterms bestritten viele republikanische Kan­didat:innen mit Propaganda gegen die Elektromobilität – vielleicht aber redeten sie an ihrer Klientel ­vorbei.

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»Tesla-Besitzer sind republikanischer, als Sie denken«, titelte CNN Business bereits im Februar. Auch Rechte können sich mit einem Auto anfreunden, das wegen seines hohen Preises Prestige verheißt und einen Steuernachlass von 7 500 US-Dollar einbringt. Allerdings gibt es auch andere Anbieter, und welche Marke man wählt, hat offensichtlich häufig etwas mit Politik zu tun, genauer gesagt mit den rechtslibertären Ansichten und Absichten von Elon Musk, der früh in Tesla investierte und CEO der Firma ist. So gaben im Dezember vorigen Jahres 14 Prozent der vom Wirtschaftsforschungsunternehmen Morning Consult befragten Re­publikaner:innen an, sie würden den Kauf eines Tesla in Erwägung ziehen, im Februar waren es bereits 17 Prozent – nachdem Musk im Januar Präsident Joe Biden via Twitter als »feuchte Sockenpuppe in menschlicher Form« beschimpft hatte. Mit dem Kauf von Twitter und seinem vorgeblichen Kampf für die Redefreiheit hat Musk offenbar noch größere Wirkung erzielt. Zwischen Oktober und November verlor Morning Consult zufolge die Marke Tesla bei mehr als 20 Prozent der De­mo­krat:innen an Ansehen, dafür mögen knapp vier Prozent der Re­pub­li­ka­ne­r:in­nen sie nun lieber.

Bereits bevor er das Unternehmen erwarb, ließ Musk seine An­hän­ge­r:in­nen auf Twitter immer wieder über Entscheidungen abstimmen, die er zu treffen hatte – zuletzt über die Frage, ob Donald Trumps Account wieder entsperrt werden soll. Immerhin 15 Mil­lionen Nutzer:innen sollen sich beteiligt haben, die Mehrheit für die Präferenz Musks, die Entsperrung, fiel diesmal mit 51,8 Prozent aber recht knapp aus. Einen eigenen Hofstaat um sich zu versammeln und mit pseudodemokra­tischen Ritualen Politik zu machen, mag als Höhepunkt unternehmerischer Machtentfaltung gelten. Noch aber ist unklar, wie das Experiment ausgeht, denn auch der mit einem Vermögen von mehr als 200 Milliarden US-Dollar reichste Mann der Welt kann es sich nicht leisten, eine unbegrenzte Zahl von Firmen herunterzuwirtschaften. Da die meisten ihm nicht allein gehören – an Tesla etwa hält er nur 14 Prozent –, ist ein interessanter Machtkampf zu erwarten. Noch ist es jedenfalls zu früh, den Übergang vom shareholder capitalism zur Herrschaft exzentrischer Oli­garchen zu verkünden.