A Woman like a Hurricane: Stefanie

Wie sich RTL das Leben vorstellt, kann man täglich zwischen 15 und 17 Uhr betrachten. Wenig überraschend handelt »Mitten im Leben!« weitgehend von Brustvergrößerungen, viel Willen zur Auswanderung, drittklassigen Sängern und Frauen mit Hang zum Ausziehen. Gestartet als Alltags-Reportagen-Reihe, spielen sich in dem Nachmittagsprogramm mittlerweile Szenen ab, wie man sie auch aus jedem anderen Programm des Senders kennt. Was die Frage aufwirft, ob RTL einfach nur einen Platz brauchte, um noch größere Mengen blonder junger Meck-Pommeusen unterzubringen, die nix gelernt ha­ben, aber eine Zukunft im Showbusiness oder wenigstens als Nagelstudio-Besitzerin anstreben. Man weiß es nicht, aber sehr zufrieden scheinen die Redakteure nicht mit ihrem Job zu sein, denn bei vielem, was gesendet wird, schimmert erstaunlicher Hass auf die abgefilmten Le­bensinhaber durch.
Wie im Fall von Stefanie und Jörg. Friseur Jörg ist über 40, seine 20 Jahre jüngere Freundin, die pausenlos betont, als Großstädterin (sie stammt aus Magdeburg, Mag-de-burg!) Bauerntrampel nicht gewohnt zu sein, ist unglücklich mit dem Leben auf dem Land, denn die Dorfbewohner finden ihren sexy Kleidungsstil nicht schön. Womit sie Recht haben, eigentlich. Die beiden wandern schließlich, nach einem Besuch beim Schönheitschirurgen zwecks Falten- und Lippenaufspritzen, nach Florida aus, wo man Verständnis für Proll-Schick hat, glauben sie, aber vorher muss Englisch gelernt werden. Kein Problem, sagt Stefanie, sie könne ja schließ­lich fließend in der fremden Sprache um Hilfe bitten: »Dann sag’ ich einfach: ›Can I help me?‹« Dass Katrina keine Ex von Jörg, sondern ein Hurrikan war, überrascht Stefanie übrigens sehr, und so bleibt dem Zuschauer immerhin eine Eifersuchtsszene erspart.

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