»Das am häufigsten überprüfte Beweisstück«

Dem ZDF zufolge ist das Geheimnis um den meistgesuchten NS-Verbrecher, den KZ-Arzt Aribert Heim, ­gelöst: Er soll 1992 in Kairo an Krebs gestorben sein. Ein anderer Gesuchter, der ehemalige KZ-Aufseher Iwan Demjanjuk, hält sich in den USA auf. Die US-Behörden appellieren seit beinahe einem Jahr an Deutschland, ihn aufzunehmen und ihm den Prozess zu machen. Die Sprecherin des Office of Special Investigations (OSI), das die Ermittlungen in den USA leitet, gibt Auskunft.

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Haben die deutschen Behörden inzwischen Kontakt zu Ihnen aufgenommen, um eine Auslieferung Demjanjuks zu beantragen?
Wir arbeiten mit der Ludwigsburger »Zentralen Stelle« eng und gut zusammen. Den Inhalt unserer Diskussionen können wir aber nicht kommentieren.
Das Bundeskriminalamt bezweifelt die Echtheit eines wichtigen Beweisstücks gegen Demjanjuk: seines SS-Dienstausweises. Können Sie das nachvollziehen?
Wie schon der Direktor des OSI, Eli Rosenbaum, gesagt hat: Demjanjuks Dienstausweis ist vielleicht das am häufigsten überprüfte Beweisstück in der Geschichte der Strafverfolgung. Forensische Experten in Israel und den USA haben den Dienstausweis unter den verschiedensten Aspekten auf seine Echtheit getestet.
Dennoch zögert die Münchner Staatsanwaltschaft noch immer mit einer Anklage.
Soweit uns bekannt ist, hat das BKA nie eine eigene wissenschaftliche Analyse von Demjanjuks Dienstausweis durchgeführt. Sogar Demjanjuk selbst hat im Jahr 2001 aufgehört, die Echtheit dieses Beweisstücks zu bestreiten.
Gibt es noch weitere mutmaßliche NS-Verbrecher, bei denen Sie derzeit auf eine Aufnahme durch Deutschland warten?
Es gibt derzeit fünf Personen, die im Hinblick auf mutmaßliche NS-Verbrechen die USA verlassen müssen. Zu den Ländern, in die sie abgeschoben werden sollen, gehören aber auch Polen, Österreich und die Ukraine, nicht nur Deutschland.