Rächer der Entlassenen

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Die Stunde von Franz Müntefering hat geschlagen. »Für Frau Merkel steht eben nicht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit an Nummer eins«, sagte der Vorsitzende der SPD in einem Interview mit der Bild am Sonntag. Sechs Wochen vor der Bundestagswahl und bei 22 Prozent in den Umfragen hilft der »Deutschland-Plan« allein nicht. Eine schlichtere Botschaft muss her, so etwas hat schließlich schon einmal noch Schlimmeres verhindert.
Auch kurz vor der Bundestagswahl 2005 versuchte Müntefering, die SPD etwas beliebter zu machen. Der gleichen Zeitung sagte er: »Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir.« Das war simpel, das war durchdacht, das hat gewirkt! Gegen »Heuschrecken« wettern, das kommt an, da waren Gerhard Schröder und die »Agenda 2010« schnell vergessen. Schließlich kommen die räuberischen Kapitalisten aus Amerika, wie Müntefering in einem internen SPD-Dokument noch deutlicher machte. Da müssen die Deutschen zusammenhalten! In einem weiteren Interview mit Bild am Sonntag agitierte er in Robin-Hood-Manier gegen die »unsittlichen« Gehälter der Top-Manager und die »astronomischen Summen«, mit denen in der »Finanzindustrie« schnelle Gewinne gemacht würden. Und wieder sprach der »Mann des Volkes« gegen »die da oben«.
All das wäre auch jetzt, in den Zeiten der Finanzkrise, gut angekommen. Aber man kann ja nicht immer dasselbe sagen. Also Arbeit, Arbeit, Arbeit. Das muss doch Stimmen einbringen, scheinen zumindest die Strategen in der Wahlkampfzentrale der Partei zu denken. Wenn sie sich da mal nicht täuschen.