Der neue »Mr. No«

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Müssen die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung in Zypern nun wieder bei Null beginnen, oder wird es nun gar nichts mehr mit einem vereinten Zypern? Nachdem Dervis Eroglu mit 50,4 Prozent der Stimmen die Präsidentschaftswahlen in Nordzypern im ersten Wahlgang gewonnen hat, wächst die Sorge um die Zukunft der seit 1974 geteilten Insel. Denn Eroglu, der 72jährige bisherige Ministerpräsident der international nur von der Türkei anerkannten »Türkischen Republik Nordzypern«, gilt als nationalistischer Hardliner, dessen Partei der Nationalen Einheit (UBP) von türkischen rechtsextremen Gruppierungen wie den Grauen Wölfen unterstützt wird.
Eroglu ist der ideologische Nachfolger des türkischen Nationalisten Rauf Denktasch, der in Zypern wegen seines Beharren auf der Teilung und seiner Unnachgiebigkeit bei den Verhandlungen »Mr. No« genannt wurde. Mit Denktasch teilt Eroglu die Überzeugung, Griechen und Türken und ihre jeweiligen Religionen könnten nur in zwei getrennten Staaten leben.
Von der seit 2008 diskutierten föderativen Lösung scheint Eroglu nicht viel zu halten. Trotzdem werde er nicht derjenige sein, »der den Verhandlungstisch verlässt«, sagte er am Wahlabend. Was er an diesem Tisch mit dem Präsidenten der Republik Zypern Demetris Christofias noch besprechen will, bleibt allerdings unklar. Denn einen gemeinsamen Staat von Griechen und Türken will er nicht, und einen Staatenbund zwischen den beiden Hälften der Insel, wie sich ihn Eroglu höchstens vorstellen könnte, lehnen die Griechen ab.
Ob der Sieg eines türkischen Nationalisten bedeutende Änderungen im Wiedervereinigungsprozess mit sich bringen wird, ist zweifelhaft. Schließlich gingen die Verhandlungen unter dem als gemäßigt geltenden bisherigen nordzyprischen Präsidenten Mehmet Ali Talat auch nicht besonders gut voran.
Eroglu erklärte, er werde sich für eine Lösung einsetzen, »welche die Rechte meiner Gemeinschaft berücksichtigt«, dabei werde er »im engen Dialog mit dem Vaterland« bleiben. Das Verhältnis zum »Vaterland«, der Türkei, dürfte sich jedoch als problematisch erweisen. Denn für die Türkei ist die Zypern-Frage eines der wichtigsten Hindernisse auf dem Weg in die EU, in Ankara hatte man sich deshalb den Sieg von Mehmet Ali Talat gewünscht.