Eine umstrittene Ausstellung über die Olympischen Spiele in Berlin

Olympische Jubelausstellung

Katar finanziert eine Berliner Ausstellung über die Olympischen Spiele. Für kritische Inhalte ist dort kein Platz, denn das Emirat hat sich für die Austragung der Spiele im Jahr 2020 beworben und will das Internationale Olympische Komitee nicht verärgern.

Katar ist überall. Das dank der unzähligen Petrodollars sehr reiche Emirat im Nordosten der arabischen Halbinsel will künftig zum Austragungsort weltweit bedeutender Sportveranstaltungen werden. Die Handball-WM haben sich die Scheichs für das Jahr 2015 gesichert, nur sieben Jahre später wird man dort die Fußball-WM ausrichten. Ob das Scheichtum wirklich der optimale Ort für solch große Sportevents ist, erscheint vielen Beobachtern jedoch zweifelhaft, schließlich sind die äußeren Bedingungen nicht ge­rade gut: 50 Grad im Schatten und nur knapp 1,6 Millionen bisher nicht gerade durch unbändige Sportbegeisterung auffallende Kataris. Darüber, auf welchen Wegen die medienwirk­samen Sportveranstaltungen ins Land geholt wurden, wird schon seit längerem diskutiert. Bei dem Zuschlag zur Fußball-WM soll jedenfalls massive Bestechung im Spiel gewesen sein, um die Fifa-Funktionäre und ihren Chef Sepp Blatter davon zu überzeugen, bei der Abstimmung für das kleine Emirat zu votieren.
Was Katar als Gastgeber von transnationalen Sportereignissen jetzt noch fehlt, sind nur die Olympischen Spiele. Da wundert es nicht, dass sich das mit großen Erdölvorkommen gesegnete Land jetzt schon für das Jahr 2020 als Bewerber ins Gespräch gebracht hat.

Diese Vorgeschichte sollte man kennen, wenn es um die Ausstellung »Mythos Olympia – Kult und Spiele« geht. Am 31. August, wenige Wochen nach den Olympischen Spielen in London, wird diese große historische Olympiaschau im Berliner Martin-Gropius-Bau eröffnet und dort bis zum 7. Januar 2013 gezeigt, ehe sie weiter nach Athen und schließlich nach Doha zieht. Die Ausstellung geht auf die Initiative der mittlerweile bankrotten Griechischen Kulturstiftung Berlin zurück. Beteiligt sind die mittellosen Archäologischen Museen in Athen und Olympia, die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, das Deutsche Archäologische Institut (DAI), das bereits seit 1875 im griechischen Olympia gräbt, der chronisch klamme Martin-Gropius-Bau und, last but not least, die Qatar Museums Authority, die das Projekt finanziert. Die Museen des Staates, die dem Emir von Katar direkt unterstehen, werden für die Kosten dieser Ausstellung vollständig aufkommen. Darüber ist man sich bereits im vergangenen Jahr einig geworden. »Wir haben das Geld eingeworben«, sagte der Leiter des Martin-Gropius-Baus, Gereon Sievernich, stolz auf einer Pressekonferenz im Januar in Berlin.
Das »kolossale Unternehmen«, wie es eine griechische Kulturbeamtin nannte, sieht eine große Ausstellung von mehr als 560 Objekten aus Olympia vor und soll durch zahlreiche hochkarätige Leihgaben ergänzt werden, darunter die »Wettläuferin« aus den Vatikanischen Museen und der olympische Herakles aus dem Pariser Louvre.
Um das Projekt ist nun ein handfester akademischer Streit ausgebrochen. Denn es geht um eine von Katar gekaufte Ausstellung in ­einem in Deutschland öffentlichen und durch Steuergelder alimentierten Museum. Eine Ausstellung, bei der der Geldgeber bestimmen kann, welche Inhalte er der interessierten Öffentlichkeit lieber nicht präsentieren möchte. Kritische Inhalte über die modernen Olympischen Spiele zum Beispiel, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) ordentlich verärgern würden und damit der Bewerbung Katars für 2020 mittelbar sogar Schaden zufügen könnten. Es geht aber auch um die Frage, wie unabhängig deutsche Museen eigentlich noch sind, wenn ein Groß­investor auftaucht und bestimmen will, was dort gezeigt oder nicht gezeigt wird.
Katar baut sich gerade selbst ein Olympiamuseum. Es soll das größte seiner Art sein und in spätestens vier Jahren eröffnet werden. Dafür wurde als Leiter der Deutsche Christian Wacker eingekauft. Wacker stand bis 2008 dem vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) finanzierten Sportmuseum in Köln vor. Unter seiner Leitung fiel das Museum nicht gerade durch sonderlich kritische Ausstellungen auf. Es fiel eigentlich überhaupt nicht mehr auf.
Ausgerechnet Wacker soll nun den Teil der Berliner Ausstellung mit dem Schwerpunkt »Die Olympischen Spiele der Moderne« gestalten. Nicht wenige Sportwissenschaftler hegen Zweifel daran, ob dieses Vorhaben Wacker und seinem IOC-freundlichen Team überhaupt gelingen kann. Zumal eine auch kritische Betrachtung der Spiele von dem Geldgeber aus Katar nicht einmal gewollt sei. »Wie kann man Kritik anbringen? Wie bringen wir die ganzen Problematiken der modernen Spiele rein? Nämlich Politisierung, Professionalisierung, Doping, Betrug – (…) das Ringen um Frieden, Boykott und ähnliches, das muss doch alles mit ausgestellt werden«, mahnte der Sportsoziologe Gunter Gebauer an. Seine Liste ließe sich fast unendlich weiterführen.
Gebauer hatte in einer kritischen Gruppe um den Historiker Bernd Sösemann einstmals an der Konzeption dieses Teils der Berliner Ausstellung mitgearbeitet. Seit der Beteiligung Katars und der IOC-freundlichen Ausrichtung hat sich diese Sporthistoriker-Kommission jedoch komplett aus dem Projekt zurückgezogen. »Unser Konzept war in dem Moment nicht mehr gefragt, als Katar einstieg und die Ampeln auf ­Alleinentscheidung gestellt wurden«, klagt Sösemann, der auch von »Zensur«, »Kaltstellung« und »unethischem Verhalten« spricht. Jedenfalls waren Sösemann und seine Mitarbeiter nicht mehr für eine Instrumentalisierung der Olympia-Ausstellung im Sinne der Bewerbung Katars für die Olympischen Spiele 2020 zu haben.
Wacker und seine »akademischen Höflinge«, wie Gebauer das neue Team im Dienste und Sold der Scheichs süffisant tituliert, wollen von all dem nichts wissen. Wacker wiegelt ab, stellt »Themeninseln« in Aussicht, wo sich für die kritische Betrachtung der modernen Olympischen Spiele Platz finde ließe. »Ich weiß noch nicht wie, aber wir machen es«, sagte er im Januar in Berlin.

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