»Überschneidungen mit dem Kleingärtnerprotest«

Seit der Räumung ihres Camps am Dienstag voriger Woche treffen sich die Mitglieder von »Occupy Kiel« in einer Parzelle einer Kleingartensiedlung. Mit der Jungle World sprach das »Occupy«-Mitglied Markus Freise.
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Vor der Räumung war von Brandstiftung im »Occupy«-Camp die Rede. Was hat es damit auf sich?
Uns ist ein Zelt im Zuge eines Unfalls abgebrannt. Ein zweites Zelt haben uns leider betrunkene Yuppies abgefackelt.
Und das war der Grund für die Räumung?
Die Räumung war politisch motiviert und ist im Kontext der Räumung des Camps in Frankfurt zu sehen. Die Gründe, die genannt wurden, etwa mangelnde Hygiene im Camp, sind vorgeschoben. Wir wurden vertrieben wie die Taliban nach der Schlacht um die Tora-Bora-Berge. Unsere Sachen aus dem Camp haben wir noch nicht wiederbekommen.
Haben Sie die Parzelle in der Gartenanlage offiziell besetzt?
Nein, der Garten wurde legal durch ein Mitglied unserer Gruppe gepachtet. Wir nutzen ihn vor allem für Treffen und als Lagerplatz.
Protestieren Sie nun auch gegen die geplante Neubebauung der Gartenanlage durch ein Möbelhaus?
Als Gruppe sind wir nicht auf diesem Gebiet aktiv, es gibt aber personelle Überschneidungen mit dem Kleingärtnerprotest.
Der gemeine Kleingärtner ist dafür bekannt, nicht den Protest, sondern Ruhe und Ordnung zu wollen. Wie wurden Sie aufgenommen?
Der Gartenvorstand und der Generalpächter haben, als wir kamen, erst einmal die Polizei gerufen, weil sie dachten, wir ziehen ein neues Camp auf. Wir tun aber nichts Verbotenes. Es gibt Verhandlungen mit dem Ziel, ein neues Camp auf privatem Grund zu schaffen.
Die Bebauung der Gartenanlage soll erst 2014 beginnen. Wird es »Occupy« dann überhaupt noch geben?
Die internationale Bewegung hat gezeigt, dass es überall motivierte Menschen gibt, die etwas ändern wollen. Und die Notwendigkeit, zu kritisieren und zu protestieren, wird sicher nicht abnehmen. Deswegen sehen wir derzeit kein Ende von »Occupy« kommen.
Ihr Aktivist Matthias Cravan tritt im Herbst zur Oberbürgermeisterwahl an. Werfen Sie Ihre Parlamentarismuskritik über Bord?
Nein, wir rechnen nämlich nicht damit, dass Matthias ins Rathaus gewählt wird. Wir wollen aber die Bühne des Wahlkamps für politische Reden an die Kieler nutzen.