Jenseits von Bullerbü

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Von Knud Kohr
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Früher war alles schwedischer. Wenn die ersten Wohnungen junger Menschen eingerichtet werden wollten, gingen sie zu Ikea. Dort erwarben sie Billy-Regale und Kassett-Boxen, in die hineingestopft wurde, was von Zuhause mit in die große Stadt gekommen war. Ungefähr jedes vierte junge Paar trennte sich lautstark streitend noch vor der Kasse. Einige Jahre später wurden die jungen Menschen erwachsen. Sie bekamen Kinder und plötzlich war auch für die neue Elterngeneration früher alles besser gewesen. Statt Ikea konsultierte man den Manufactum-Katalog. Die Kinder sahen aus, als wären sie einem ungeschriebenen Roman von Astrid Lindgren entschlüpft, und sowohl vom Styling als auch von der Namensgebung her wären viele von ihnen auch bei HJ oder BDM nicht un­angenehm aufgefallen. Wieder einmal bekam eine neue Kindergene­ration Gründe, ihre Eltern zu verachten. Die nicht mehr ganz so jungen Menschen rauften sich die nicht mehr ganz so vielen Haare und begannen eine Sinnsuche. Nicht wenige von ihnen wurden High-End-Veganer und traten, nach einem Zwischenhalt beim Buddhismus, wieder in die katholische Kirche ihrer Großeltern ein. Manufactum besetzte diesen neuen Markt. »Manufactum. Gutes aus Klöstern« lautet die Antwort des Unternehmens. In seinem neuesten Katalog trumpft Manufactum mit »Benediktiner Sandalen« auf, aus von sardischen Klosterbrüdern mundgekautem Leder. Auf dem »Gnadenthaler Schaffell« kann man erschöpft zusammenbrechen, nachdem das letzte Hörbuch von Paulo Coelho geendet hat. Wem das noch immer nicht reaktionär genug ist, der leistet sich unter dem Motto »Ein Möbel als Raum« die »Chorstalle aus Eichenholz«, eine Art protestantischer Beichtstuhl, der sich in jedes Besserverdiener-Interieur einfügen lässt. Hoffentlich werden die Besitzer nie von ihren Kindern dort angetroffen. Sonst steht der Bildung neuer Roter, Grüner oder Karierter Armee-Fraktionen nichts mehr im Weg.