Einlauf der perversen Elite

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Als rund 15 schrill kostümierte Personen zwischen Museumsquartier und Mariahilfer Straße beginnen, auf ihren Instrumenten zu spielen, stehen ein paar Polizisten gelangweilt am Rande. Unscheinbar ist die Veranstaltung bis hierhin, niemand nimmt Anstoß an diesem Auftakt der von den Grünen ins Leben gerufenen Wienwoche. Dabei handelt es sich um den »Wiener Kopulationsring-Ball«, mit dem die Perverse Initiative, eine Gruppe, die »für mehr Sichtbarkeit und politische Teilhabe von antifaschistischen, antirassistischen und migrantischen Queers in der österreichischen Gesellschaft kämpft«, ein Zeichen gegen den jährlich von der FPÖ organisierten Wiener Akademikerball setzen will. Im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien, gelegen in den repräsentativen Räumlichkeiten der Hofburg, wird im Anschluss zum »(Natur-)Sektempfang der globalen perversen Elite« geladen. Sekt gibt es tatsächlich, Natürlichkeit spielt hingegen keine Rolle, jeder wird zum Teil einer großen Inszenierung. Die Schärpen der Burschenschafter, die sich hier mit Pappdegen duellieren, sitzen etwas zu locker. Unter dem Kronleuchter des runden Saals wird Walzer in Fetischkleidung getanzt, Performances werden aufgeführt, einer erklärt: »Ein gesunder männlicher Schwanz gehört in eine gesunde männliche Vagina« – Applaus, Hermes Phettberg wird begrüßt. Vor den Türen des Aux Gazelles, einer Mischung aus Restaurant und etwas zu schicker Bar, spielt sich das anmutigste Spektakel des Abends ab: der »flutschige Einlauf der Debütant_innen«, eine perfekt ausgeführte Choreographie, keine Bewegung gleicht der anderen. Etwa 200 Menschen sind mittlerweile versammelt und betreten die Bar, um die Auftritte der internationalen Musiker zu sehen. Die regulären Gäste des Lokals hatten sich den Abend anders vorgestellt. Einige blicken angewidert, andere ergreifen schon nach kurzer Zeit die Flucht. Eine herrliche Veranstaltung.