Deutscher Empfang

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Willkommenskultur. Orchester in ganz Deutschland wollen Flüchtlinge zu kostenlosen Konzerten einladen, um »das Warten und die Langeweile zu durchbrechen«, mit denen Asylbewerber in den Erstunterkünften konfrontiert seien. »Orchester und Theater tragen dazu bei, in Deutschland eine Willkommenskultur zu etablieren«, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV). An den Feinheiten dieser Kultur wird derzeit auch in Schwerte gewerkelt. Die westfälische Stadt plant, Asylbewerber auf einem ehemaligen KZ-Außenposten unterzubringen. Im KZ Schwerte-Ost wurden während des Nationalsozialismus zeitweilig über 700 Menschen zur Arbeit gezwungen. »Wir können nicht alle Orte der NS-Zeit tabuisieren«, sagt Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU). Das Außenlager sei schlicht der geeignetste Ort, die Stadtverwaltung habe sich da nichts vorzuwerfen. Außerdem habe die fragliche Baracke, in der die Flüchtlinge untergebracht werden sollen, zur NS-Zeit noch nicht existiert.   oko
Kim Fowley ist tot
Nachruf. Ikone! Legende! Als Antiheld, Sleazerocker, Songwriter, Musiker und Produzent – eine Type, in der sich die Geschichte der Popmusik spiegelte. Noch dazu: nicht unumstritten (Jungle World 1/2015), einflussreich, zugleich aber nur selten kommerziell erfolgreich. Kim Fowley kam 1939 als Sohn des Schauspielerehepaars Douglas Fowley (»Singin’ in the Rain«) und Shelby Payne in Los Angeles zur Welt. Bevor er der Frauen-Punkband The Runaways ihren Sound verlieh, arbeitete er in den späten fünfziger Jahren mit dem Soul-Label Motown zusammen, lernte Phil Spector kennen, stand dann mit Frank Zappa auf der Bühne, schrieb mit »The Trip« vielleicht den ersten Song der Geschichte, der sich mit der Konsumerfahrung von LSD auseinandersetzte. Kiss, Helen Reddy, John Cale, Modern Lovers – mit allen war Fowley im Studio, produzierte Hunderte von Songs in den unterschiedlichsten Stilen. Am 15. Januar ist er im Alter von 75 Jahren an den Folgen von Blasenkrebs in Los Angeles gestorben.   oko
Für weiße Männer
Oscars. Die Oscar-Nominierungen sind ein Tiefschlag. Vor zwei Monaten erst hatte der Schauspieler und Entertainer Harry Belafonte in seiner Dankesrede zur Verleihung des Ehrenoscars medienwirksam auf den Rassismus der amerikanischen Filmbranche aufmerksam gemacht. Bis in die achtziger Jahre seien schwarze Schauspieler und Zuwanderer diskriminiert worden, sagte er und konnte nicht vorhersehen, wer dieses Jahr von den 6 000 anonymen Mitgliedern der Academy nominiert würde. Oder besser: wer nicht. Nicht ein afroamerikanischer Schauspieler findet sich unter den Nominierten, so weiß waren die Oscars zuletzt vor 17 Jahren. »Es gibt kein Talentdefizit. Es gibt nur ein kulturelles und ein Defizit an Möglichkeiten«, sagt der Bürgerrechtler Jesse Jackson. 2012 berichtete die Los Angeles Times, dass 94 Prozent der Oscar-Wähler weiß sind, 77 Prozent männlich und 86 Prozent mindestens 50 Jahre alt. Die Oscar-Verleihung findet am 22. Februar in Los Angeles statt.   oko
Verbotene Früchte
Cem Özdemir. Kreuzberger posiert auf sehr schmucklosem Balkon neben grüner Pflanze, Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt – wird sie dem Übeltäter das Handwerk legen? Für die Ice-Bucket-Challenge hatte sich Cem Özdemir auf seinem Balkon dabei filmen lassen, wie ihm ein Eimer Wasser über den Kopf gekippt wurde. Ganz zufällig neben ihm drapiert: eine Hanfpflanze, die er auf dem Landesparteitag in Berlin anstelle von Blumen überreicht bekommen hatte. Kämpferisch erklären sich Mitglieder der Grünen Jugend nun zu »Cems Gärtnern«. Der Balkon macht auch wirklich einen trostlosen Eindruck, da muss was passieren.   oko