Unser Willy

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Am Sonntag wollten die »Hooligans gegen Salafisten« (Hogesa) in Essen für Volk und Vaterland demonstrieren. Doch die Polizeipräsidentin verbot die Veranstaltung. Vielleicht hätte Hogesa nicht mit »Terror« drohen sollen. Solche Vokabeln klingen halt nicht so deutungsoffen wie der Szeneschlachtruf »Ahu«. Die Aktivisten der inzwischen gespaltenen Hogesa pflegen derzeit ein Verhältnis wie Sunniten und Schiiten – nur nicht ganz so harmonisch. Erfolgreich aktiviert wurde dagegen das »zivilgesellschaftliche« Bündnis »Essen stellt sich quer«, 4 000 Leute kamen. Bei den trotz Demonstrationsverbot in der Stadt umherschweifenden Hooligans beschlagnahmte die Polizei Quarzsandhandschuhe und Messer. Doch beim Protest gegen Hogesa blieb es friedlich. Auf dem Willy-Brandt-Platz bestimmten neben den im Ruhrgebiet stets präsenten Kadern des marxistisch-leninistischen Sektenwesens vor allem Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Traditionslinke das Bild der Abschlusskundgebung. »Die ›Zivilgesellschaft‹«, bemerkte ein altehrwürdiger Demonstrant trocken, »hat im Ruhrpott drei Buchstaben: SPD.« Zwischen den Parteifahnen ragten Plakate junger Muslime hervor: »Das B in Pegida steht für Bildung«, hieß es dort. Ansonsten blieb vom Rednermarathon neben dem »Mitmachtanz« eine unfreiwillig ironische Volte des prominentesten Redners in Erinnerung. Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) überwürzte seinen Beitrag mit einem Zitat von Willy Brandt aus dem Jahr 1968: »Nazismus, alter Nazismus, aufgewärmter Nazismus, Neonazismus ist Verrat an Land und Volk.« Für diese anachronistische Rhetorik erntete er den Applaus der vom »Wir«-Gefühl beseelten rot-rot-grünen Demomehrheit. Neonazis als Volksverräter? Während diese Worte samt Beifall noch nachhallten, fiel der Blick des verstörten Zuhörers auf die Losung einer ebenfalls anwesenden Partei, die auf Transparenten »Wirr ist das Volk« verkündete – und damit, wie immer, recht hatte.