Unter Profis

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Wer einen Doktor in Kriminalliteratur machen wolle, müsse bei Richard Stark anfangen. Sagte Stephen King. Elmore Leonard schrieb: »Was immer Stark schreibt, ich lese es. Er ist ein erstklassiger Stilist und ein Profi. Und mir gefällt über die Maßen die Haltung, die er einnimmt.« Ja, nicht zuletzt an seiner Haltung kann man einen echten Profi erkennen. Das gilt umso mehr für den nervenstarken, kühlen, aber keineswegs herzlosen Berufsverbrecher Parker. Parker trennt Berufliches strikt von Privatem, er tötet normalerweise nur, wenn er muss. Der Mann ist ein ausgebuffter Problemlöser, sein Business ist bevorzugt der schwere Raub.
Als Donald E. Westlake (1933–2008) unter dem Pseudonym Richard Stark 1962 seinen ersten Parker-Roman »The Hunter« veröffentlicht, ist das der der Auftakt einer langen, lesenswerten Reihe von Parker-Krimis. Unter dem Filmtitel »Point Blank« wird »The Hunter« 1967 mit Lee Marvin verfilmt. Ein Klassiker, wie das Buch, das jetzt in einer ausgezeichneten Neuübersetzung von Nikolaus Stingl vorliegt.
Indes ist »The Hunter« noch ein eher untypischer Parker-Krimi, weil hier sehr persönliche Motive einen gewaltsamen Rachefeldzug in Gang setzen, was, wie gesagt, bei Parker normalerweise nicht der Fall ist. Aber man kann ihn verstehen, wurde er doch von der eigenen Frau beinahe ums Leben und in den Knast gebracht. Von der Kohle nicht zu schweigen. Irgendwann ist er draußen, und stinksauer. Es folgt ein ungemein spannender, klug konstruierter Revenge-Plot. Profis eben, alle beide: Richard Stark und Parker.

Richard Stark: The Hunter. Verlag Paul Zsolnay, München 2015, 192 Seiten, 17,90 Euro