Untadelig mit Hakenkreuz

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Sich online eine Laserzielvorrichtung zu bestellen, war nicht die beste Idee eines Hamburger Polizisten. Zollfahnder fingen das Paket aus China ab – der Besitz eines derartigen Zusatzgerätes für Schusswaffen ist in Deutschland strafbar. Ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht wurde eingeleitet. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Beamte Ende November 25 verbotene Arten von Munition und Waffen wie eine Pumpgun, ein Scharfschützengewehr und eine Maschinenpistole. Von insgesamt »fast 1 000 Waffen, Waffenteilen und Patronen« berichtete der Spiegel am 23. Januar. Außerdem wurden eine Hakenkreuz- und eine Reichskriegsflagge sowie Propagandamaterial gefunden, unter anderem Aufkleber, auf denen neben einem Hakenkreuz steht: »Bin gleich zurück«. Der zuständige Lübecker Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders hat jedoch nachgezählt: »Es waren deutlich weniger als 1 000 Teile.« Er hielt die Sache für nicht allzu dramatisch: »Wir haben keine Hinweise auf Kontakte des Mannes zur rechten Szene.« Zunächst ermittelte die Staatsanwaltschaft auch nicht wegen möglicher Nazipropagan­dadelikte. »Wir prüfen jetzt, ob auch hinsichtlich der Nazidevotionalien ein Straftatbestand vorliegt«, sagte Anders erst nach dem Bericht des Spiegel. Wenig alarmiert zeigte sich auch Hamburgs oberster Polizeisprecher Timo Zill: »Eine Suspendierung ist derzeit nach eingehender Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft nicht gerechtfertigt.« Doch die Polizeiführung habe »beschlossen, den Beamten mit sofortiger Wirkung in den Innendienst an einer anderen Dienststelle umzusetzen«, um den Schaden zu mindern. »Bisher ist der Kollege völlig untadelig seinem Dienst nachgegangen.« So kann der 41jährige vielleicht bald wieder ganz privat auf dem Sofa sein Koppelschloss mit Hakenkreuz und der Prägung »Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen« tragen – wie es sich für einen besinnlichen deutschen Feierabend gehört.