Abenteuer Selbstbehauptung

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»Auerhaus wie Auerhahn. Eigentlich müsste es ja ›Our House‹ heißen, so wie der Achtziger-Hit von Madness. ›Blöder Witz‹, sagt Pauline, das strenge, irritierend schöne Mädchen aus der Klapsmühle. Frieder erklärt: ›Ist nicht von uns. Die Leute im Dorf nennen uns so. Die können kein Englisch.‹«
»Auerhaus« heißt der phantastische, ebenso einfühlsame wie dezent schnoddrige Roman von Bov Bjerg. Das Literarische Quartett überschlug sich vor Glück über die Geschichte einer Wohngemeinschaft junger, sympathischer Außenseiter, irgendwo in der Provinz bei Stuttgart. Beim Blumenbar-Verlag war man überrascht vom Erfolg des Buchs und druckt seither nach. Hätte man’s wissen können? Auch Wolfgang Herrndorfs liebevolles Selbstbehauptungsabenteuer »Tschick«, mit dem »Auerhaus« zu Recht verglichen wird, hatte zunächst niemand auf dem Schirm.
»Auerhaus« bevölkern sechs bemerkenswert lebendige Figuren. Wobei »lebendig« ein wenig in die Irre führt, schließlich ist der gescheiterte Suizidversuch Frieders Ausgangspunkt der Erzählung und Anlass für die Gründung der WG durch vier befreundete Abiturienten – damit Frieder aus der Klapse kann und nicht so allein ist. Harry, ein schwuler Marihuana-Dealer, und die selbstzerstörerische Pauline machen das Sextett komplett.
Handfeste Spannungen und emotionale Verwirrungen, die es nun mal braucht für eine romantaugliche WG adoleszenter Sinnsucher, bleiben nicht aus. Doch zumindest anfangs herrscht eine fröhliche Anarchie; die Protagonisten kiffen, feiern und klauen Lebensmittel, was das Zeug hält. Der Fokus indes liegt auf der Sorge des Ich-Erzählers Höppner um Frieder, seinen besten Freund. Frieder ist der klügste von allen, ein einsamer Überflieger. Nach seinem Selbstmordversuch hat Frieder die Furcht vor dem Tod vollständig verloren. Gleichzeitig blüht er in der Wohngemeinschaft auf.
Aber die Zeit im Auerhaus, das weiß man bald – sie währt nicht ewig.
Bov Bjerg: Auerhaus. Berlin 2015, Blumenbar-Verlag, 240 Seiten, 18 Euro