Nachts im Kloster

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Wahrscheinlich hatte er zu viele Kriminalkomödien gesehen. Gelacht haben dann aber doch die anderen. Am 14. Juni vor Sonnenaufgang warf José Lopez mehrere Plastiksäcke über die Mauer des Klosters Nuestra Señora de Fátima im westlich von Buenos Aires gelegenen Vorort General Rodríguez. Danach kletterte er selbst über die Mauer. Ein argwöhnischer Nachbar beobachtete die Szene und rief die Polizei. Diese verhaftete Lopez wegen illegalen Waffenbesitzes, nachdem sie im Kofferraum seines Autos ein halbautomatisches Gewehr gefunden hatte, obwohl sein Waffenschein abgelaufen war. Interessanter war jedoch der Inhalt der Säcke: insgesamt 8,9 Millionen US-Dollar in verschiedenen Währungen und Wertgegenstände wie Uhren. Diese Schätze wollte er offenbar im Kloster verstecken, auch wenn er beteuerte, sie seien nur als Spende an die Nonnen des Klosters gedacht gewesen, das er und andere Angehörige der ehemaligen Kirchner-Regierungen oft besucht haben sollen. Die Polizisten habe er noch ­bestechen wollen, teilte der Sicherheitsminister der Provinz Buenos Aires mit. Zu den Ermittlungen wegen illegalen Waffenbesitzes und mutmaßlicher Geldwäsche kommt also noch einiges hinzu.
Doch nicht nur Lopez brachte diese filmreife Eskapade in Bedrängnis. Insgesamt zwölf Jahre lang war er Vizeminister für öffentliches Bauen, zunächst von 2003 bis 2007 unter dem verstorbenen Präsidenten Néstor Kirchner, danach bis 2015 unter dessen Nachfolgerin und Witwe Cristina Fernández de Kirchner. Diese sowie Funktionäre ihrer Partei, des Partido Justicialista, beeilen sich nun, sich vom ­»faulen Apfel« zu distanzieren und Korruption aufs Schärfste zu verurteilen. Obwohl Lopez eine wichtige Position ausfüllte und sehr gute Kontakte zu den Kirchners hatte, betonte Fernández de Kirchner, sie habe nichts mit seinen Machenschaften zu tun gehabt. Die neue argentinische Regierung unter dem Wirtschafts­liberalen Mauricio Macri, der selbst unter Geldwäscheverdacht steht, freut sich natürlich über den Beweis für ihre These, den Vorgängerregierungen habe der Staatsapparat nur der Bereicherung peronistischer Funktionäre gedient.