Pegida zerlegt sich selbst

Pegida zerfällt

Vergangene Woche eskalierte der Streit zwischen den beiden Führungsfiguren Lutz Bachmann und Tatjana Festerling, das Zerwürfnis der beiden Fraktionen ist nun offiziell. Auch zwischen Pegida und dem Ableger Legida scheint der Bruch vollzogen.

Anzeige

Die immer kleiner werdende Pegida-Bewegung demontiert sich allmählich selbst. Ihr Mitbegründer Lutz Bachmann und ihre einstige Frontfrau Tatjana Festerling machen sich bei den Demonstrationen in Dresden und auf Facebook gegenseitig Vorwürfe.
Auslöser für die jüngste Runde des Streits war ein Facebook-Beitrag von Edwin Wagenveld Anfang vergangener Woche. Der mehrmals auf der Pegida-Bühne als Redner in Erscheinung getretene Aktivist beklagte die fehlende Beteiligung von Pegida beim Protest gegen die Bilderberg-Konferenz in Dresden. Er selbst hatte dort gemeinsam mit Tatjana Festerling und einer kleinen Gruppe Mitstreiter Schilder und Spruchbänder in die Höhe gehalten. Von Pegida hingegen sei dort nichts zu sehen gewesen, kritisierte Wagenveld. Festerling sei Mitte April bei einer Pegida-Kundgebung »von der Bühne gejagt« worden, als sie auf die Bilderberg-Konferenz habe hinweisen wollen. Zudem habe man ihr zugerufen, dass man sie wegen vereinsschädigenden Verhaltens aus dem Pegida-Verein ausschließen werde, so die Darstellung Wagenvelds.
Die Reaktion seitens der Pegida-Führung um Bachmann folgte zwei Tage später. Auf der Facebook-Seite von Pegida teilte sie mit, Festerling habe das »Orga-Team« von Pegida freiwillig verlassen. Ein Beschluss zu ihrem Ausschluss aus dem Förderverein sei noch nicht erfolgt, aber geplant. Zudem müsse, wer bei Pegida auftreten wolle, seine Reden vorab einreichen – dies gelte auch für die Frontfiguren der Bewegung. Sowohl rechtliche als auch Imageprobleme sollten dadurch vermieden werden. Pegida zufolge habe sich Festerling mehrfach nicht an diese Vorgaben gehalten und Dinge erzählt, »die uns im Nachhinein in Erklärungsnöte brachten«.
An jenem 18. April wollte Festerling offenbar ein weiteres Mal ohne vorherige Absprache ans Pegida-Mikrophon – diesmal wurde ihr das nicht erlaubt. Der ehemaligen Dresdner Oberbürgermeister-Kandidatin wurde von Pegida zudem vorgeworfen, ohne Absprache durch Europa gereist zu sein und Interviews gegeben zu haben. Seit dem geplatzten Auftritt im April ruhe die Zusammenarbeit, Festerling kümmere sich um ihr eigenes Projekt »Festung Europa«. Man hätte sie gerne ein letztes Mal auf die Bühne gebeten, um sie offiziell zu verabschieden, hieß es.
Für die nächste Runde des Schlagabtauschs sorgte Festerling. Ihre von einem traurigen Smiley geschmückte Erwiderung auf die Pegida-Einlassungen trug den Titel »Bachmann lügt«. Sehr wohl sei ihr bereits nach ihrer verbotenen Rede im April von einem Beschluss berichtet worden, sie aus dem Förderverein auszuschließen. Dafür gebe es mehrere Zeugen. Absprachen über geplante Reden gäbe es nicht wirklich: »Lutz Bachmann stellte seine Redebeiträge nicht in die Facebook-Gruppe, Siegfried Däbritz montags gegen 15 Uhr. Zu dieser Zeit gibt es niemanden, der eine Rede gegenlesen und für gut oder schlecht, richtig oder falsch bewerten kann.«
Das Angebot für eine offizielle Verabschiedung habe in Wirklichkeit anders geklungen: Ihr, Festerling, sei nahegelegt worden, »auf die Bühne zu kommen und meinen Rücktritt zu erklären«. Zudem warf Festerling dem verbliebenen Pegida-Team einen intransparenten Umgang mit Spendengeldern, mangelnde Organisationsfähigkeit und einen Hang zu Verschwörungstheorien vor. »Jeder, der bei Bachmann in Ungnade fällt, wird von ihm mit dem Stigma des Verfassungsschutzes gebrandmarkt«, schrieb Festerling und fügte hinzu: »Möglicherweise, um von sich selber abzulenken?«
Am Montag konterte wiederum Bachmann. Bei der ersten Pegida-Kundgebung seit Bekanntwerden des Bruchs wies er den Vorwurf eines laxen Umgangs mit Spenden zurück. Medienberichten zufolge forderte Bachmann die Teilnehmer auf, per Handzeichen seinem Organisationsteam das Vertrauen auszusprechen. Die meisten der um die 2 000 Teilnehmer kamen der Aufforderung nach.
Es ist nicht das erste Mal, dass bei Pegida die Fetzen fliegen. Bereits ein Vierteljahr nach ihrer Gründung im Herbst 2014 spaltete sich eine Gruppe um Kathrin Oertel ab, nachdem Details über Bachmanns Facebook-Hetze bekannt geworden waren. Der Pegida-Gründer hatte Migranten unter anderen als »Viehzeug«, »Gelumpe« und »Dreckspack« bezeichnet. Etwa gleichzeitig scheiterte eine engere Kooperation mit der sächsischen AfD, mutmaßlich am gestörten Verhältnis zwischen Bachmann und der AfD-Fraktionsvorsitzenden Frauke Petry.
Auch die Zusammenarbeit mit der Leipziger Legida-Bewegung – dem einzigen halbwegs erfolgreichen Pegida-Ableger – verlief alles andere als reibungslos. Mittlerweile ist offensichtlich, dass Pegida und Legida miteinander gebrochen haben. Bereits seit dem Abschied des einstigen Legida-Leiters Markus Johnke im März werden die Veranstaltungen der jeweils anderen Vereinigung nicht mehr beworben. Auf der kommenden Legida-Kundgebung im Juli sollen einmal mehr Festerling und Wagenveld auftreten.
Das wiederum hat eine weitere Konsequenz: Das Team um den ehemaligen Legida-Anführer Silvio Rösler hat die im April gefeierte »Wiedervereinigung« widerstreitender Legida-Fraktionen (Jungle World 15/2016) schon wieder zu den Akten gelegt. Parallel zur nächsten Legida-Veranstaltung will es eine eigene Kundgebung auf die Beine stellen. Der Aufruf und Wortmeldungen der vergangenen Tage lassen erahnen, dass es sich de facto um eine Gegenkundgebung handelt.