Wie ein Mann

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Kein Sprachwitz, keine originellen Ansätze, stattdessen die üblichen Platitüden und Phrasen, gemischt mit der begeisterten Betonung des Evidenten – im Prinzip passte das, was Claudia Neumann vorige Woche als erste Kommentatorin eines EM-Spiels ablieferte, ganz wunderbar zum Elend des deutschen Fernseh-Fußballjournalismus. Gleichwohl war die Aufregung riesengroß: Eine Frau! Kommentiert! Fußball! Im Fernsehen! Und! Das! Darf nicht sein! Was genau die meist männlichen Empörten nun so sehr daran störte, dass Neumann das Geschehen auf dem Rasen beschreiben durfte, wurde eigentlich nicht so recht klar, denn, wie gesagt, einen großen Unterschied zu dem drögen Zeugs, das ihre männlichen Kollegen live erzählen, gab es eigentlich nicht. Und außerdem kommt es praktisch bei jedem Spiel zumindest bei Twitter zu ausgedehntem Gemecker über die Kommentatorenleistung, vor allem dann, wenn Steffen Simon am Mikrofon sitzt. Woraus der gemeine Fußballinteressierte eigentlich schon längst gelernt haben könnte, dass ARD und ZDF ­zumindest in diesem Punkt shitstormresistent sind, schließlich kommentiert der Mann nach all den Jahren immer noch und das wird auch so bleiben, egal, wie ausufernd in Social Media über ihn gestöhnt wird. Nun aber war tatsächlich das Ende der Welt gekommen, denn Frauen gehören in die Küche und haben außerdem keine Ahnung von Fußball und überhaupt, wo soll das noch alles hinführen. Gibt ja schließlich Frauenfußball, sollen sie doch den kommentieren. Männerfußball ist, wie der Name schon sagt, nur was für Männer. Oder so. Neumann reagierte übrigens bemerkenswert gelassen auf den ausgekübelten Mist, was die Trottel ziemlich geärgert haben dürfte. Eins steht jedenfalls mal fest: Wir schreiben das Jahr 2016. Frauen haben das Recht, genau so langweilige Fußballkommentatoren zu sein wie ihre männlichen Kollegen.