Der Gangster des Jahres

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Am Sonntag wurden in Montenegro 20 schwerbewaffnete Serben festgenommen, weil sie angeblich einen Putsch planten. Laut den montenegrinischen ­Sicherheitsbehörden wollten sie den Ministerpräsident Milo Ðukanović kidnappen, die Kontrolle über das Parlament ergreifen und den »Sieg gewisser Parteien« verkünden. Gemeint ist die prorussische und proserbische Demokratische Front (DF). Der Vorsitzende der DF, Andrija Mandić, bezeichnete die Erklärung der Polizei als »billige Propaganda«. Serbiens Ministerpräsident Aleksander Vučić zeigte sich überrascht, »dass dies heute geschieht«, und sagte, es sei besser, dass »ich mir drei Mal auf die Zunge beiße und schweige«. Von einem kleinen Putschversuch lässt sich der Regierungschef Montenegros aber nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich ist nach 25 Jahren an der Macht eine gewisse Routine eingekehrt. 1991 übernahm Ðukanović als 29jähriger den Posten. Es war sein erster richtiger Job und in Zeiten von Flexibilisierung und Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt ist es ja auch erfreulich, wenn jemand so lange seinen Arbeitsplatz behält.
Dank Ðukanović wird Montenegro bald Mitglied der Nato. Der Dauerministerpräsident lebt nämlich davon, dass er sich den USA und der EU als kleineres Übel präsentiert, nach dem Motto: »Wenn ich weg bin, dann kommen die Russen.« Da drückt man auch mal beide Augen zu, wenn es um Schmuggel und organisierte Kriminalität geht. In Deutschland und Italien liefen Verfahren gegen Ðukanović, weil er zeitweise der Anführer des größten Zigarettenschmuggelrings in Europa gewesen sein und den italienischen Staat um Milliardeneinnahmen gebracht haben soll. Da ist Immunität ein Glücksfall. Und die Italiener sollen sich mal nicht so haben, schließlich hatten die auch schon kriminelle Ministerpräsidenten.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es für Ðukanović aber doch. Trotz umfangreichen Wahlbetrugs kam seine demokratische Partei der Sozialisten nur auf 36 der 81 Sitze im Parlament. Das ist ärgerlich, aber dank der Minderheitenvertreter wird es wohl trotzdem für eine Regierungsmehrheit reichen. Somit steuert Ðukanović auf sein 30. Amtsjahr zu. Und wer weiß, vielleicht reicht es ja bis zur Rente. Das Organized Crime and Corruption Reporting Project hat Ðukanović für seine Leistungen 2015 zum Mann des Jahres in der Kategorie »organisiertes Verbrechen« gewählt. Damit würdigt die Organisation seine Leistungen in der Schaffung einer repressiven Atmosphäre und eines sicheren Hafens für die organisierte Kriminalität mitten in Europa.