Platte Buch

Ein Faible für Gospel, Soul und Funk

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Der afroamerikanische Autor der Stunde heißt Ta-Nehisi Coates. Berühmt wurde er mit seinem Briefessay »Zwischen mir und der Welt«, ­einem leidenschaftlich anklagenden, allemal traurig stimmenden Beitrag zu den Debatten über Rassismus und Polizeigewalt in den USA. In einem Vortrag in New York sagte Coates kürzlich, rassistisch zu sein, habe für weiße Trump-Wähler einen unbestreitbaren Vorteil: Es vergrößere ihre Macht, so bescheiden sie sonst auch sein möge.
Dass sich derzeit viele schwarze Rapper auf Coates beziehen, wundert nicht. Einer von ihnen ist der aus Chicago stammende Lonnie Ra­shid Lynn, besser bekannt als Common. Besondere Aufmerksamkeit wurde ihm in den neunziger Jahren zuteil. Damals galt er als einer der lyrisch begabtesten Protagonisten des US-amerikanischen Underground-HipHop. Wenn sich der heute 44jährige anlässlich seines jüngsten, mit illustrer Gästeschar von Stevie Wonder bis zum Soulsänger Bilal aufwartenden Albums »Black America Again« in eine Reihe mit Coates stellt, so geht das in Ordnung, auch wenn dem 15 Stücke starken Werk durchweg Coates’ intellektuelle Durchdringung rassistischer Politik und schwarzer Kultur fehlt.
Ein HipHop-Album ist kein politischer Essay und Common kein Intellektueller, sondern ein engagierter MC mit ebenso markanter wie prononcierter Stimme und einem Faible für Gospel, Soul und Funk. Und so rappt er zur lässig swingenden Musik über tödliche Polizeigewalt, ­verunreinigtes Wasser in Michigan und überfüllte Gefängnisse – über die Kriminalisierung und Ausgrenzung Schwarzer also, aber auch über spirituelle schwarze Lebenswelten und schwarze Popkultur. Wem das zu wenig Input ist, der lese dazu oder danach Teju Cole, Toni Morrison, James Baldwin und natürlich Ta-Nehisi Coates.
Common: Black America Again (Def Jam/Universal)