Die Salafistenorganisation Ansaar International sorgt für Kontroversen

Lustiger Islamistenstadl

Ein ehemaliger Journalist, ein Fußballprofi und ein ehemaliger Rapper – die deutsche Salafistenszene überraschte in den vergangenen Wochen vor allem durch ihre illustre Anhängerschaft.

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Mehrfach verschickte Martin Lejeune die Einladung zu einer Pressekonferenz im Düsseldorfer Maritim-Hotel. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Salafistenorganisation »Ansaar International« wollte sich zu aktuellen Entwicklungen äußern, Lejeune die Pressekonferenz moderieren.
Der 36jährige nennt sich mit einiger Penetranz Journalist. Vor einigen Jahren schrieb er ein paar Artikel für bekannte Tageszeitungen wie die Taz, die Frankfurter Rundschau und das Neue Deutschland. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Nachdem Lejeune im Sommer 2014 Hinrichtungen durch das Hamas-Regime im Gaza-Streifen gerechtfertigt hatte, wollte ihn kein seriöses Medium mehr beschäftigen. Seitdem zieht Lejeune als Marktschreier des politischen Islam durch Deutschland. Er konvertierte zum Islam, unterstützt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und äußerte sich verächtlich über kritische Journalisten in der Türkei. Can Dündar, den ehemaligen Chefredakteur der Cumhuriyet, bezeichnete er kürzlich als »Verräter und gesuchten Verbrecher«.
Lejeunes besondere Obsession gilt aber weiterhin Israel. Die schweren Waldbrände, die dort im November tobten, bezeichnete er als »Strafe Gottes«. Wenige Tage später zweifelte er in einer bizarren Videobotschaft sogar den Holocaust an. »Wenn wirklich sechs Millionen Juden umgekommen sein sollen, dann darf ich doch annehmen, dass die, die das Leid erfahren haben sollen, etwas menschlicher umgehen mit den Palästinensern. Das sehe ich aber nicht. Und wenn es so ist, wie es leider gerade geschieht, dass die Juden so unmenschlich sind zu den Palästinensern, dann müssen bei mir zumindest leider Zweifel entstehen, ob Juden wirklich so ein Unglück erlebt haben, weil sonst müssten sie sich wirklich mehr einfühlen.«
Wegen des Videos konnte Lejeune die Pressekonferenz von Ansaar nicht moderieren, das Maritim-Hotel erteilte ihm Hausverbot, da er ein »Antidemokrat« sei. Der Leiter von Ansaar, Joel Kayser, kritisierte diese Entscheidung zwar als nicht nachvollziehbar, distanzierte sich aber zugleich von Lejeunes Äußerungen zu den Waldbränden in Israel. Kayser ist Konvertit und ein ehemaliger Rapper. Seit seinem Übertritt zum Islam nennt er sich Abdurahman Kayser. Als gläubiger Muslim, so Kayser, könne er sich nie den Tod von anderen Menschen wünschen. Lejeunes Aussagen seien falsch und offenbar von starken Emotionen getrieben. Schließlich entschuldigte sich der Kritisierte. Der »Völkermord an den Juden« solle nicht bezweifelt werden. Doch auch an der Holocaustleugnung gab Lejeune sogleich wieder den Juden die Schuld: »Ich bin ein Mensch mit Gefühlen und ich habe mich in meiner Rede von dem Leid gegen die Palästinenser, ausgeübt durch die Zionisten, überwältigen lassen.«
Die Pressekonferenz musste Kayser also ohne Lejeunes Unterstützung bestreiten. Dafür, dass kaum Journalisten gekommen waren, hatte der Vorsitzende von Ansaar eine einfache Erklärung: Es gebe einen »Presseboykott«. Die Medien schrieben ohnehin nur schlecht über die Organisation. Die Vorwürfe seien haltlos, vielmehr betreibe jemand, der Ansaar als salafistisch bezeichne, antimuslimischen Rassismus. Salafist sei sowieso nur ein Kunstwort, um Muslime zu diskriminieren. Mit den Terrororganisationen »Islamischer Staat« (IS) oder al-Qaida habe Ansaar nichts zu tun.
Doch dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz liegen Hinweise vor, dass der Verein islamistische Milizen in Syrien unterstützt. Nur vordergründig gehe es Ansaar ums Spendensammeln. Vielmehr bezwecke die Gruppe, Salafisten deutschlandweit miteinander zu vernetzen. Nach Informationen der Taz traten mit Shaik Abu Anas und Ahmahd Abul Baraa zwei islamistische Hassprediger auf mindestens einer Veranstaltung von Ansaar auf. Im aktuellen Jahresbericht des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes heißt es über den Verein: »Er ist fest mit der deutschen Salafistenszene verwoben.«
Prominente Hilfe bekommt die Organisation vom Fußballprofi Änis Ben-Hatira. Der Bundesliga­spieler des SV Darmstadt 98 unterstützt werbewirksam Wasserprojekte von Ansaar in Ghana und im Gaza-Streifen. Nach kritischen Medienberichten veröffentlichte der Fußballclub ein Interview mit Ben-Hatira, in dem der gebürtige Berliner seine Unterstützung für Ansaar verteidigte. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte Darmstadt 98 auf, sich vom Engagement des Profis zu distanzieren. Vom Verein hieß es, dass »der SV Darmstadt 98 zu seinen Werten« stehe und sich klar gegen »rassistische, verfassungs- und fremdenfeindliche Bestrebungen« richte. Man setze sich »intern weiterhin mit dem komplexen Sachverhalt auseinander« und nehme die Aussagen des Verfassungsschutzes ernst. Ben-Hatira räumte ein, ihm sei von Anfang an bewusst gewesen, dass Ansaar von der Behörde beobachtet werde. Der Vorsitzende von Ansaar habe sich aber ihm gegenüber persönlich »von extremistischem Gedankengut distanziert«. Darmstadt 98 hat dem Spieler bislang keine Konsequenzen angedroht.