Small Talk

»Ich wurde nicht gezwungen«

Das Saarland hat einige Sehenswürdig­keiten und Besonderheiten: die Saarschleife, die Völklinger Hütte, Oskar Lafontaine. Was nur wenige Menschen wissen: Es gibt in dem Bundesland auch sehr viele Königinnen. Dank der Vermittlung der »Aktion 3. Welt Saar« gelang es der Jungle World, auf einem Empfang in der saarländischen Vertretung in Berlin mit drei Königinnen höchstpersönlich zu sprechen.

Small Talk Von Markus Ströhlein
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Könnten sich die Majestäten bitte kurz vorstellen?

Ich bin Aline I., Rosenkönigin des Landkreises Neunkirchen.
Ich bin Bianca I., die saarländische Bierkönigin.
Ich bin Franziska I., die saarländische Moselweinkönigin.

Wie wird man Königin?

Aline I.: Im Fall der Rosenkönigin wird der Titel in der Zeitung ausgeschrieben. Ein Gremium sieht sich die Bewerberinnen an. Die Bürger können dann abstimmen. In meinem Fall war es jedoch so, dass es zunächst überhaupt keine Bewerberin gab. Meine Mutter arbeitet in der Kreisverwaltung. Einige Leute traten an sie heran und meinten, sie habe doch eine Tochter im richtigen Alter. Ich wurde nicht gezwungen, ich mache das gern. Ich mag Rosen.

Wird die Wahl der Bierkönigin per Trinkwettbewerb entschieden?

Bianca I.: Man muss selbstverständlich trinkfest sein. Es gab aber auch eine Bewerbungsrunde mit Einzelgesprächen, in denen die Kenntnisse über Bier und die rednerischen Fähigkeiten geprüft wurden. Ich habe seither auch einige Weiterbildungen zum Brauwesen besucht und finde das Thema persönlich sehr interessant. Seit 2008 repräsentiere ich die Bierkultur des Saarlands.

Ist das Saarland tatsächlich für Bier bekannt?

Aline I.: Der Saarländer trinkt viel Bier.
Bianca I.: Der jährliche Bierkonsum pro Kopf ist im Saarland höher als in Bayern.

Wie ich gesehen habe, gibt es auch eine Moselweinprinzessin. Mussten Sie auch erst so klein anfangen, bevor Sie Weinkönigin sein durften?

Franziska I.: Nein. Es gab keine Freiwilligen. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich Weinkönigin sein will. Und ich habe ja gesagt.

Ist es erstrebenswert, das Amt innzuhaben, oder überwiegt der Stress?

Franziska I.: Manchmal ist es anstrengend. An den Wochenenden von Juli bis September hatte ich viel zu tun. Jetzt ist es ruhig.

Wie lange bleibt eine Königin im Amt?

Bianca I.: Ich darf so lange Königin sein, wie ich möchte.

Und wenn eine ambitionierte Nachwuchsbierprinzessin übernehmen will?

Bianca I.: Dann hat sie Pech gehabt. Was für eine Frage! Sie wird ­unter ungeklärten Umständen verschwinden.
Wir haben sehr lange über Theoretisches geredet. Könnten Sie nun zeigen, was Sie von Bier und Wein verstehen, und mir ­sagen, was Ihr Getränk auszeichnet?
Franziska I.: (trinkt) Schmeckt schwer nach Weißwein. Halbtrocken, würde ich sagen. Blumig-fruchtig.

Und im Abgang?

Franziska I.: Ja, blumig-fruchtig im Abgang. Aber ich habe vorher auch Bier getrunken.

Was sagt die Bierkönigin?

Bianca I.: (trinkt) Hm, lecker. Es handelt sich um ein untergäriges Bier. Es ist ein sehr gutes Pils, herb, hopfenbetont, nicht sehr malzig. Sehr süffig.