Der Israelhass der bewaffneten linken Gruppen

Kunzelmanns Erben

Zum Jahrestag der Entführung des Air-France-Flugzeugs am 27. Juni 1976 wird deutlich, dass es noch immer linke Denunziation von Israel-Solidarität gibt. Der linke Hass auf Israel hat sich auch 40 Jahre nach Entebbe nicht erledigt.
Kommentar Von

Ein Sprecher der Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) erläuterte am 29. Juni 1976 in Aden die Ziele der Geiselnahme des deutsch-palästinensisches Kommandos. Man wolle palästinensisches Territorium »vollständig« befreien, die »Zionisten« vertreiben und einen demokratischen, sozialistischen und säkularen Staat aufbauen. Und natürlich werde man die Waffen gegen den »imperialistisch-zionistischen Feind, den Feind der Menschheit, der Zivilisation und des Fortschritts« erheben, um die Welt von den »Ketten« und »Handschellen« zu befreien, die ihr von »Kapitalismus, Imperialismus, Reaktion und Zionismus« angelegt worden seien.

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Eine Gruppe von Autoren um Markus Mohr, der, so sein Verlag, die Häuser in der Hamburger Hafenstrasse wie »ein kleiner Satan« verteidigt habe, hat zum 40. Jahrestag ein Buch mit dem Titel »Legenden um Entebbe« veröffentlicht. In der Publikation relativieren die Autoren den Hass auf Israel, der der deutsch-palästinensischen Terrorbruderschaft zugrunde lag, und werfen den Kritikern linkes Renegatentum und Banalisierung des Holocausts vor.
Die Kritik an der Separierung von jüdischen Passagieren durch das deutsch-palästinensische Kommando zum Zwecke der Erpressung Israels halten sie, wie Mohr formuliert, für »Unfug«. Wer von einer »Selektion« in Entebbe spreche – in Wahrheit seien israelische von nichtisraelischen Passagieren getrennt worden –, bediene das »Selektionsnarrativ« (Alexander Sedlmaier und Freia Anders), eine »interessengeleitete Ideologisierung des Ereignisses als terroristisch agierenden Antisemitismus« (Moshe Zuckermann).

Wenn israelische von nichtisraelischen Geiseln zum Zweck der Erpressung Israels getrennt und mit dem Tode bedroht werden, dann ist das kein Judenhass? Wenn palästinensisches Territorium »vollständig« befreit und »Zionisten« vertrieben werden sollen, dann ist das nicht antisemitisch? Wenn ein deutsch-palästinensisches Kommando ein Flugzeug entführt, dessen Passagiere als Geiseln nimmt, um damit 53 verurteilte Terroristen freizupressen, dann ist das kein Antisemitismus?

Die Verharmlosung der deutsch-palästinensischen Terrorbruderschaft in den siebziger und achtziger Jahren und die vehementen Angriffe auf die »linken Renegaten«, die Mohr und weitere Autoren des Buchs »Legenden um Entebbe« betreiben, stehen in Nachfolge der Ansichten eines der Gründungsväter des deutschen Linksterrorismus, Dieter Kunzelmann. Der behauptete 1969, die westdeutsche Linke habe einen »Judenknax«, den sie überwinden müsse. Statt Partei für Israel zu ergreifen und diejenigen in die Schranken zu weisen, die Israel von der Landkarte radieren wollen, sollten sie sich den wahren Antifaschisten anschließen, der »palästinensischen Revolution«.

Mohr und seine Kollegen haben offenbar nicht begriffen, wohin Kunzelmanns Ratschlag viele westdeutsche Linke führte, die sich bis zum Sechstagekrieg 1967 verlässlich an die Seite Israels gestellt hätten: in die leninistische, maoistische, spontaneistische Sektiererei und den Terrorismus. Einige, wie zum Beispiel Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, führte er bis zur Trennung von jüdischen und nichtjüdischen Passagieren in Entebbe. Da lobe ich mir diejenigen, die dem Rat Kunzelmanns nicht folgten. Sie wissen schon, die mit dem »Judenknax« und dem »Selektionsnarrativ«.