Die Band Love A

Seltsame Gewächse aus der westdeutschen Provinz

Platte Buch Von

Nichts ist leicht auf »Nichts ist neu«, dem vierten Album der Band Love A. Eigenem Bekunden zufolge habe man auf dem Klo der Hamburger Schule Klebstoff geschnüffelt – was selbstverständlich nicht wörtlich zu ver­stehen ist. Nur klingt dieser Sound tatsächlich bisweilen so, als habe man ihn in der Hansestadt aufgenommen.
Woher aber kommt das Sonderliche, irgendwie Unkorrumpierbare, das dieser Veröffentlichung anhaftet? Vielleicht aus dem für seine musikalischen Erzeugnisse nicht eben berühmten Herkunftsort des Quartetts: Trier. Außer Porta Nigra und Karl-Marx-Gartenzwergen hat die angeblich älteste Stadt Deutschlands herzlich wenig zu bieten. Aber das ist das Gute an der Provinz: Oftmals gedeihen in den mittelgroßen Städten und auf dem Land, in den Kellern der Jugendzentren, von denen großstädtische Coolness und Konkurrenz Lichtjahre entfernt sind, ganz wunder­same Spezies. Bands, die woanders schon längst aufgegeben hätten oder niemals entstanden wären, weil man nicht permanent auf sich selbst zurückgeworfen wird.
Die Songs auf »Nichts ist neu« sind sorgfältig arrangiert, jedes Instrument hat seinen Platz; das Gitarrenspiel entfernt sich vom bandtypischen Punk, hier und da werden ruhigere Töne angeschlagen, man bewegt sich in Richtung eines konzilianten Indiepop. Was nicht bedeutet, das hier alles vorhersehbar wäre.
Die Stimme ist weiterhin facettenreich. Im Song »Unkraut« schimpft der Sänger in gewohnter Manier lauthals, schnell und krächzend; in »Die Anderen« lässt er seine Stimme erweichen, in »Nachbarn II« wird sie in Hall gehüllt und ist dennoch zackig und klingt nach New Wave.
Wo es bei Love A inhaltlich hingeht? Erschütterung, Wut, Resignation. Trostlosigkeit und spitzfindige Alltagsbeobachtungen. Was will man mehr?

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Love A: Nichts ist neu (Rookie Records)