Donald Trump wird nervös, weil er die Ermittlungen wegen der Zusammenarbeit mit Russland nicht beenden kann

Die Regeln der Konspiration

Was kümmert mich der Dax Von Jörn Schulz
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Zu den Grundsätzen der Konspiration gehört es, die Zahl der Beteiligten möglichst klein zu halten und keine Spuren zu hinterlassen. Wenn ein Präsidentschaftskandidat von einer ausländischen Macht den Hinweis erhält, dass man ihm mit diskreditierenden Enthüllungen über seine Gegnerin helfen könnte, ­genügt auf jeder Seite eine Vertrauensperson – vorzugsweise ein entbehrlicher junger Karrierist, den noch niemand kennt –, um das Timing und die Details abzusprechen, vorzugsweise an einem diskreten Ort, von dem man sicher sein kann, dass er nicht überwacht wird. Wäre es bei der collusion, der Zusammenarbeit von Mitarbeitern Donald Trumps mit Russland, allein darum gegangen, wie die mutmaßlich von russischen Hackern erlangten Daten aus dem Hauptquartier der Demokraten am besten verwertet werden können, hätte es nicht des Einsatzes von mindestens fünf prominenten Männern bedurft. Doch Roger Stone, Carter Page, Paul Manafort, Michael ­Flynn und Jeff Sessions pflegten dubiose persönliche und geschäftliche Kontakte, offenbar ohne sich darum zu kümmern, dass etwa ein Treffen mit dem russischen Botschafter nicht unbemerkt bleibt. Selbst­gefällige Wichtigtuerei von Männern, die glauben, sie kämen mit allem durch? Möglich. Sicher ist, dass der erfahrene Geheimdienstler Wladimir Putin die Regeln der Konspiration kennt. Er muss allerdings Ermittlungen nicht fürchten und kann das Spiel nur gewinnen. Stürzt Donald Trump, kann er sich über die ­Diskreditierung der US-Demokratie freuen. Bleibt Trump an der Macht, eröffnet das die Möglichkeiten für Vereinbarungen, die ansonsten undenkbar ­wären, etwa für ein informelles Bündnis gegen den Klimaschutz.

Ob es politische Absprachen vor Trumps Amtseinführung gab oder die russische Wahlkampfhilfe über lancierte Enthüllungen hinausging, ist derzeit Spekulation. Offensichtlich aber ist Trump nervös, so nervös, dass er immer riskantere Schritte wagen muss. Den FBI-­Direktor James Comey zu feuern, nachdem dieser sich nicht einschüchtern ließ, hat nicht genügt, um die Ermittlungen zu beenden. Nun wird aus dem Weißen Haus kolportiert, der Präsident wolle auch den Sonderermittler Robert Mueller entlassen. Comeys Anhörung vor dem Senat brachte die Erkenntnis, dass Trump zwar klug genug war, vorsichtige ­Formulierungen zu wählen (»Ich hoffe, Sie sehen Ihren Weg, da loszulassen, Flynn gehen zu lassen«), die ­gutwillig ausgelegt keine Behinderung der Justiz darstellen. Doch warum setzte er sich so eifrig für Flynn ein, der im Frühjahr vergeblich um juristische Immunität ersucht hatte? Warum geht er an die Grenze des Legalen, um Ermittlungen aufzuhalten, die seinen Aussagen zufolge kein Ergebnis bringen werden? ­Solche Fragen werden für die Republikaner immer unangenehmer.
Noch aber hält die Front, da die meisten Republikaner noch Deregulierungsmaßnahmen und Steuersenkungen durch den Kongress bringen sowie die midterm elections Ende 2018 abwarten wollen, bevor sie sich des unberechenbaren Emporkömmlings entledigen und ihre Partei wieder in Besitz nehmen. ­Allerdings wird Trump mehr und mehr zum Risiko für die Republikaner. Je dreister der Präsident agiert, desto schwerer wird es seinen Unterstützern fallen, nach der Amtsenthebung zu behaupten, man habe das alles doch nicht ahnen können.