Angestellte von Subunternehmen von Facebook im Silicon Valley organisieren sich gewerkschaftlich

Zwischen Wischmopp und Laptop

In den USA haben sich Angestellte eines Subunternehmens des Konzerns Facebook gewerkschaftlich organisiert. Ihre Löhne können mit den enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten im Silicon Valley nicht mithalten.

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Noch im Mai beschrieb Mark Zuckerberg, Mitbegründer und Geschäftsführer von Facebook, in einem rührenden Post, wie viel er auf seinen Reisen durch die USA über soziale Ungleichheit und die Hoffnungen und Probleme der einfachen Menschen gelernt habe. Es brauche oft nur neue positive Beziehungen und Netzwerke, um persönliche Lebensumstände zu verbessern, resümierte er. Zu diesem Zeitpunkt hätte er es sich wohl kaum träumen lassen, dass Angestellte von Subunternehmen seines eigenen Unternehmens diese Empfehlungen bald sehr wörtlich nehmen sollten.

Ende Juli stimmten 500 Angestellte des Subunternehmens Flagship, das für den Cafeteriabetrieb in der Facebook-Zentrale zuständig ist, für einen kollektiven Beitritt zur US-amerikanischen Gewerkschaft Unite here, die vor allem im Hotelgewerbe und der Gastronomie vertreten ist. Sie kämpfen nun gemeinsam mit Unite Here für ihre Forderungen. Es geht hauptsächlich um die Anpassung der Löhne an die stark steigenden Preise im Silicon Valley, dem südlichen Teil der San Francisco Bay Area, in dem viele der weltweit führenden IT-Unternehmen ihren Sitz haben.

Die Mietpreisentwicklung in der Stadt Menlo Park steht exemplarisch für diesen Prozess. Seit Facebook 2011 angekündigt hat, dort die Firmenzentrale zu errichten, verdreifachten sich die Preise für eine durchschnittliche Wohnung nach Angaben des Immobilienportals Rent Jungle auf mittlerweile über 3 300 US-Dollar (2 782 Euro) pro Monat. Servicekräfte der Gastronomie, deren durchschnittliches Jahresgehalt dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) zufolge 21 000 US-Dollar ­beträgt, und andere im Niedriglohnsektor Beschäftigte konkurrieren um den Wohnraum mit Angestellten im ­IT-Bereich, die etwa das Fünffache verdienen – selbst eine Praktikantin bei Facebook erhält im Schnitt 8 000 US-Dollar im Monat. Aus diesen Daten geht auch hervor, dass ein Lohn, der in dieser Region etwa für eine Familie mit drei Kindern und zwei in Vollzeit arbeitenden Erwachsenen zum Leben reichen soll, 24 US-Dollar pro Stunde nicht unterschreiten darf. Obwohl Facebook sich seit 2015 dazu verpflichtet, allen Angestellten, auch von Subunternehmen, nicht weniger als 15 US-Dollar pro Stunde zu zahlen, reicht dies bei weitem nicht aus. Berichte über Cafeteria-Beschäftigte, die in Garagen wohnen müssen, wird es wohl weiterhin geben.

Neben Lohnerhöhungen geht es den organisierten Beschäftigten auch um die Anerkennung ihrer Arbeit. Während beispielsweise Angestellte aus IT und Verwaltung bei einem »Bring your kids to work day« ihrem Nachwuchs ihren Arbeitsplatz zeigen konnten, durften Kinder der gastronomischen Belegschaft die Firmenzentrale nicht betreten. Diese Degradierung des Servicepersonals sei im Silicon Valley kein Einzelfall, berichten Beschäftigte des Technologiekonzerns Intel. Demnach werde auf dem Unternehmensgelände der Unterschied zwischen der Kern­belegschaft und Angestellten von Subunternehmen aus dem Niedriglohnsektor durch verschiedenfarbige Marken gekennzeichnet, die über den Zugang zu all den Annehmlichkeiten entscheiden, mit denen die Konzerne um die sogenannten high performers der Branche buhlen.

Die Grenze verläuft auch entlang Geschlecht und Herkunft. In der Cafeteria von Intel beispielsweise ist die Belegschaft mehrheitlich weiblich und zu 78 Prozent lateinamerikanischer Herkunft, während es unter den zu knapp 76 Prozent männlichen Festangestellten in den IT-Bereichen nur etwas mehr als acht Prozent sind.
Zwar ging die Facebook-Leitung nicht gegen die gewerkschaftliche Organisation der Beschäftigten vor, doch für einen erfolgreichen Arbeitskampf fehlt es noch an Unterstützung der besserverdienenden Belegschaft. Bei den oft vereinzelt arbeitenden Beschäftigten im Kreativ- und IT-Bereich hat es bislang keine Anzeichen für ­gewerkschaftliche Organisation oder Solidarität mit dem Servicepersonal gegeben.
Während die vielbeschworene Allianz der Prekären »zwischen Wischmopp und Laptop« auf sich warten lässt, sucht sich die organisierte Belegschaft andere Verbündete. So arbeitet die ­lokale Initiative Silicon Valley Rising nicht nur mit anderen gewerkschaftlich organisierten Gruppen wie Busfahrern und Reinigungskräften zusammen, sondern auch mit Mietergruppen und anderen Initiativen.