Das Medium

Parteilich auf Facebook

Das Medium Von Elke Wittich
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mediumFür unerfreulich viele Nutzer bedeuten Twitter und Facebook, von morgens bis abends ununterbrochen eine Meinung zu allem, was gerade passiert, zu haben und dabei vor allem immer im Recht zu sein – ruhig auch ohne Hintergrundwissen und ähnlich Lästiges. Egal, wie kompliziert die Lage ist, in Sekundenschnelle wird die eigene Meinung (wenn auch oft nur leidlich gelungen ausformuliert und unter strikter Nichteinbeziehung aller bekannten Fakten) aufgeschrieben und in Tweets und Postings und Kommentaren vehement verteidigt. So weit, so social media.

Die Steigerung der Meinungshaberei ist die Parteimitgliedschaft. Menschen, die in Parteien sind, können unfassbar nerven. Während man so dasitzt und sich fragt, wie das Gefühl sein mag, eine Partei voller Überzeugung und nicht bloß voller »Na wenn schon, dann die da, die scheint am wenigsten unangenehm zu sein« zu wählen, halten Leute mit Parteibindung es für ihre Pflicht, einem auf die Nerven zu gehen. Zum Beispiel mit Selfies. Vielleicht ist ja mittlerweile im Parteiengesetz zwingend vorgeschrieben, dass jedes Mitglied Fotos posten muss, wobei eines ungelenke Balanciererei auf einer an einer Laterne lehnenden Leiter zu zeigen hat, eines eine Gruppe grinsender, sehr früh aufgestandener Menschen mit mindestens einem Eimer Kleister und eines die fertig aufgehängte Reklame mit launigen Bemerkungen über die Konkurrenz nebenan. Wahrscheinlich tun die Leute das aber freiwillig, genau wie sie in sozialen Medien alles verteidigen, was halt in ihrer Partei geschieht, obwohl sie in wahlkampflosen Zeiten oder damals, als sie noch in einer anderen waren, keinen Hehl daraus machten, wie sehr sie Parteiperson X oder Y oder beide aufgrund schauderhafter Positionen verachteten. Sie mögen weggehen.