Leo Fischer klingt diese Woche wie Harald Schmidt, Moderatorenlegende

Ruhe in der Gruft und bloß nichts mit Islam

Gastbeitrag Von Leo Fischer
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GBLiebe Fernsehfreunde!
Naaaa, erinnern Sie sich noch an mich? An Harald Schmidt, das bitterböse Sandmännchen aus der Zeit, als das Fernsehen noch geholfen hat? Natürlich nicht. Aber ich bin letzte Woche sechzig geworden, und das sorgte dafür, dass die Zeitungen wieder voll waren von Texten sentimentaler Feuilletonisten, die sich plötzlich ihrer peinlichen Jugend erinnerten und daher auch an mich. Und dabei Gratulationen schrieben, die wie Nachrufe klangen.

Na klar, ich mach’ nicht mehr viel. Aber ehrlich, wäre es besser, wenn ich irgendwann aus dem Studio getragen werden müsste? So wie Gottschalk? Als unwürdige Parodie eines jüngeren Selbst? Die Kollegen in den Redaktionen scheinen das zu glauben. Dabei müssen die doch selber zugeben: Wenn heute irgendwo »Harald Schmidt« draufsteht, dann hat man es garantiert mit einem Ladenhüter zu tun. Oder wollen mir meine Gratulanten allen Ernstes weismachen, sie hätten meine Kolumne im Focus jemals gelesen? Sie hätten sich diese Videos auf »Spiegel Online Daily« – was immer das nun wieder ist! – mehr als einmal angesehen? Oder hätten meinetwegen gar Bezahlfernsehen geguckt? Dass ich nicht lache! Nein, es ist besser, man stirbt als Künstler früher, als sich schlecht zu überleben. Sonst müsste ich ja noch mehr von diesem Timo Frasch in der FAZ über mich lesen. Der mich mit Ernst Jünger vergleicht und meinen kurzen Flirt mit der klassischen Bildung gar für die Sache selbst hält. Timo Frasch hat sich als Jugendlicher angeblich über »zu hohe Lohnnebenkosten« geärgert – man kann sich ja seine Fans nicht aussuchen, aber solche Gockel wurden bei mir normalerweise eingeseift und rasiert. Als ich noch was zu sagen hatte. Nun ja.

Kein Witz war mir zu pikant, kein Tabu blieb unverletzt. Außer der Islam natürlich, denn darüber macht man keine Witze, das ist der Ernstfall. Da muss man aufpassen, was man sagt. Habe ich selbst so gesagt, weiß aber keiner mehr. Weil: De mortuis nil nisi bene. Und jetzt bitte Ruhe in der Gruft, ich möchte Böhmermann gucken.
Schöne Grüße aus dem Jenseits
Euer Harald