Das Medium - Arme Deutsche und Polizeihunde

Chappi für alle

Kolumne Von

Die Rechnung war schon nicht richtig, als sie noch ausschließlich in Nazikreisen kursierte und beweisen sollte, dass Asylbewerber »auf unsere Kosten« ein luxuriöses Leben führen, während arme Deutsche verhungern müssen. Diese armen oder gar obdachlosen Deutschen sind zwar diejenigen, die den besorgten Bürgern normalerweise am Arsch vorbeigehen, aber doch gern herangezogen werden, wenn es gegen Asylbewerber geht.

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Wenn Großbuchstaben vor Empörung triefen könnten, hätten die in dieser Rechnung vorkommenden es jedenfalls getan: Asylbewerber und Polizeihunde, so ging aus einem Pamphlet hervor, würden viel, also wirklich viel mehr Geld für Essen ­bekommen als Hartz-IV-Empfänger. »Polizeihunde werden für 6,90 Euro/Tag verköstigt«, hieß es dort, und obwohl unter an­derem Mimikama.at diesen Äpfel- und Birnen-Vergleich in Hinblick auf Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger schon längst richtiggestellt hat, hält sich die Sache hartnäckig. Jedenfalls: die Polizeihunde. »Werden Sie Polizeihund« wirbt nun auch ein ironisches Bildchen, das auf Facebook rege geteilt wird und in der linken Filterblase derzeit viel Empörung hervorruft, denn die Asylbewerberbezüge sind aus der Rechnung herausgenommen worden, statt dessen wurde ein Verdi-Aufkleber drunter­gepappt. Was die Sache nicht richtiger macht, denn nein, die Viecher bekommen nicht für 6,90 Euro am Tag Fresschen, wie man wissen könnte, wenn man vor dem Losempören kurz mal googeln würde, aber das ist erfahrungsgemäß ja immer zu viel verlangt. Hier also die wirklichen Fakten: Ein Hundeführer, so heißt das im Amtsdeutsch, erhält beispielsweise in Nordrhein-Westfalen im Monat 85 Euro extra, darin sind die Kosten für Futter, Körbchen, Spielzeug und was so ein Viech halt sonst noch alles braucht, enthalten. Der Einfachheit umgerechnet auf 30 Tage macht das exakt 2,83 Euro. Guten Appetit!