Porträt - Der Menschenrechtler Jason Jones klagt gegen ein schwulenfeindliches Gesetz

Flucht aus der Karibik

Kolumne Von

Sonne, Palmen, Strand, Homophobie. In Urlaubsparadiesen geht es nicht immer paradiesisch zu. Das ist kein Geheimnis und liegt nicht nur daran, dass dort nicht immer alle Urlaub haben. In vielen karibischen Staaten ist es um die Gleichberechtigung von LGBT sehr schlecht bestellt, so auch in der ehemaligen britischen Kolonie Trinidad und Tobago. In Abschnitt 13 und 16 des dortigen Sexualstrafrechts, im sogenannten buggery law, wird Analverkehr kriminalisiert. Er kann mit 25 Jahren Haft bestraft werden. Auch wenn davon sowohl hetero- als auch homosexuelle Sexualpraktiken betroffen sind und es kaum Verurteilungen deswegen gegeben hat, geht es dabei vor allem um die Diskriminierung von Schwulen. Der schwule Menschenrechtler Jason Jones, der sowohl die britische Staatsbürgerschaft als auch die Trinidad und Tobagos hat, fühlt sich dadurch in seinem Recht auf Privatsphäre und Meinungsfreiheit verletzt und reichte am 23. Februar vergangenen Jahres ein Ersuchen vor Gericht ein, ­dieses diskriminierende Gesetz abzuschaffen. Das Urteil wird diesen Donnerstag erwartet und könnte, soweit Jones recht gegeben wird, als Vorlage für die Abschaffung anderer diskriminierender Gesetze in der Karibik dienen. Immer wieder werden LGBT dort Opfer von Hassverbrechen, schwule und transsexuelle ­Bürger Trinidads suchten jüngst Asyl in Großbritannien.

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Für seinen Vorstoß erhielt Jones nicht nur Unterstützung von LGBT-Organisationen in der Karibik. Einige ihrer Vertreter wollen Sexualpraktiken noch nicht ­explizit thematisieren und befürchten durch die Debatte um das Gesetz  eine weitere Stigmatisierung von LGBT. Jones machte in einem Interview bereits 2017 klar, dass er diesen vorsichtigen Ansatz für falsch hält, denn wenn homophobe Individuen und Organisationen glaubten, es sei illegal, schwul zu sein, »fühlen sie sich dazu berechtigt, uns zu diskriminieren. Sie denken, die Gesetze schützen sie.« Er wolle Menschen dazu bringen, aktiv zu werden, so Jones. Christliche Fundamentalisten protestieren nun seit Wochen in Trinidad und Tobago gegen die Gesetzesänderung und sehen »traditionelle Familienwerte« bedroht. Jones ­erhielt Morddrohungen und lebt mittlerweile in London.
Das buggery law stammt noch aus der britischen Kolonialzeit, wurde allerdings nach der Unabhängigkeit Trinidad und Tobagos umgeschrieben: Die Strafen für »Sodomie« wurden drastisch erhöht auf bis zu 25 Jahre Haft. Allerdings wurden in die Verfassung bestimmte Klauseln eingefügt, die grundlegende Änderung britischer Gesetze nach der Unabhängigkeit nicht erlauben. Jones wünscht sich mehr internationale Unterstützung für sein Anliegen, unter anderem von Großbritannien.