Small Talk mit Nikolai Sprekels von der Organisation »Saram – für Menschen in Nordkorea«

»Ein realistisches Bild von Nordkorea«

Seit fünf Jahren gibt es den Verein »Saram – für Menschen in Nordkorea«. Am Wochenende feiert er in Berlin die Gründung einer Stiftung, mit der seine Arbeit weiter professionalisiert werden soll. Nikolai Sprekels, Mitglied von »Saram«, hat mit der Jungle World gesprochen.
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Was bedeutet »Saram«?
Die Namensidee stammt von einem unserer koreanischen Mitglieder. Wörtlich übersetzt bedeutet es »Mensch«. Im Koreanischen kommt das Wort sehr häufig vor. Möchte man sagen: »Ich bin ein Techniker«, sagt man im Koreanischen wörtlich übersetzt: »Ich bin ein Technikmensch.« Wir haben uns für den Namen entschieden, damit klar wird: Für uns stehen die Menschen in Nordkorea im Fokus.

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Hilfe für Menschen in Nordkorea – das Vorhaben erscheint angesichts der Isolation des Landes schwierig.
Wir reisen nicht nach Nordkorea, um dort Nahrungsmittel zu verteilen. Unsere Arbeit ist eher politischer Natur mit dem klaren Ziel, Veränderungen zu erreichen. Unser erster Schritt ist es, ein realistisches Bild von Nordkorea in Europa zu vermitteln. Es gibt einige Nordkorea-Experten, die regelmäßig Pjöngjang ­besuchen oder sogar ein wenig im Land herumreisen dürfen. Sie berichten dann darüber, wie es dort aussieht, wie alles funktioniert. Was nordkoreanische Flüchtlinge erzählen, deckt sich jedoch überhaupt nicht damit.

Wem ist zu glauben?
Wir gehen da wissenschaftlich vor. Es gibt in Südkorea mittlerweile 31 000 nordkoreanische Flüchtlinge. Bei einer solchen Zahl kann man auf wissenschaftliche Weise Aussagen erfassen, diese abgleichen und ­auswerten. Das entstehende Bild kommunizieren wir dann an andere NGOs und die Politik.

Was macht »Saram« neben der Informationsverbreitung noch?
Im zweiten Schritt geht es uns darum, die Politik der europäischen Länder, die Beziehungen zu Nordkorea unterhalten, im Sinne der Menschenrechte zu verändern. Hierzu entwickeln wir Strategievorschläge und betreiben Lobbyarbeit. Zwischendurch gibt es auch praktische Arbeit. Manchmal benötigen nordkoreanische Flüchtlinge Hilfe in Deutschland.

Wie viele von ihnen gibt es hierzulande?
Es sind nicht viele. Aber ihre Situation ist schwierig. Die Details dieser Hilfsarbeit machen wir nicht ­öffentlich, weil wir diese Personen schützen müssen.

Wie wichtig ist das Wissen von Exilnordkoreanern für Ihre Arbeit?
Im Zuge der Stiftungsgründung mussten wir glaubhaft machen, dass wir nicht einfach eine Gruppe von Deutschen sind, die meinen, alles über Nordkorea zu wissen. Wir haben deshalb einen Beirat aufgebaut, in dem Experten aus Nordkorea sitzen, zum Beispiel ein früherer Wärter aus einem Lager für politische Gefangene, ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, ein Wissenschaftler, Schmuggler, die sich an der Grenze zwischen China und Nordkorea betätigt ­haben – also Leute aus verschiedenen Bereichen. Mit ­ihnen erarbeiten wir unsere Strategie.

Wie beurteilen Sie die gemeinsame Erklärung, die Donald Trump und Kim Jong-un Anfang der Woche unterzeichnet haben?
Ich gebe offen zu, dass ich bereits Wetten verloren habe. Ich war nämlich der Meinung, das Treffen der beiden werde gar nicht stattfinden. Nun muss ich zahlen. Ich denke trotzdem, man sollte keine allzu großen Hoffnungen in die Erklärung setzen. Die vier Punkte, um die es in dem Dokument geht, sind sehr vage gehalten. Beispielsweise soll Kim Jong-un die Denuklearisierung so schnell wie möglich umsetzen. Was heißt das? Nordkorea hat 40 Jahre lang alle Ressourcen in das Atom- und Raketenprogramm gesteckt und dieses im vergangenen Jahr vollendet. Das ist die Überlebensversicherung des Regimes. Es ist unwahrscheinlich, dass Nordkorea dies so schnell wie möglich aufgibt.