ანდერგრაუნდი - Streetart und Underground in Georgien

Illustrator ohne Bezahlung

Der Streetartkünstler Gagosh thematisiert in seinen Bildern politische und soziale Fragen.

Auf dem Gelände des alternativen Kulturzentrums Fabrika, an derselben Stelle, an der ich vor einer Woche mit den Leuten von Vodka Vtraiom stand, treffe ich mich mit dem Streetartkünstler Gagosh. Er kommt direkt von der Arbeit und wirkt ein bisschen abgekämpft. Wie so viele junge Leute hier in Tiflis arbeitet der 32jährige im IT-Bereich. Neben seinem Brotjob bemalt er Wände. Ohne Auftrag. Der Autodidakt hat nie Kunst studiert, sein formal vielschichtiges Werk wirkt dennoch gereift und selbstbewusst. Seine politischen und sozialen Standpunkte sind bildlich immer klar und deutlich. Es ist beeindruckend, wie Gagosh alle Fragen des öffentlichen Lebens bearbeitet, als hätte er sich in einer Politgruppe abgesprochen.

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Selbstverständlich rede er mit seinen Freunden, darunter Philosophen, Mathematiker und Autoren, über seine Arbeiten, aber zum Malen ziehe er allein los, so Gagosh. Wahrscheinlich würde er sich auch nicht so radikal mit sozialen und politischen Themen beschäftigen, hätte er sich hauptsächlich in akademischen Zirkeln bewegt. Universitäten erteilen Studierenden selten den Auftrag, illegal Bilder zu malen, in denen Probleme wie fehlende Sicherheit am Arbeitsplatz kritisiert oder mit denen Streikende unterstützt werden.

Gagosh sagt, es gehe ihm darum, gegen jede einzelne Dummheit der Politiker zu protestieren und in der Öffentlichkeit Bewusstsein für soziale Pro­bleme und umweltpolitische Fragen zu schaffen. In Georgien, wo es nur wenige oppositionelle Medien gibt, scheint Streetart das ideale Medium des Protests zu sein. In vielen Ländern könnte ­Gagosh sich für das, was er macht, bezahlen lassen. Er wäre politischer Cartoonist oder Illustrator. In Georgien übernimmt Gagosh diese wichtige Rolle kostenlos.