Ermittlungen gegen gewaltbereite Nazis

Razzia bei den braunen Wölfen

Polizisten haben bundesweit die Wohnungen von Rechtsextremisten durchsucht. Die Neonazis sollen eine bewaffnete Gruppe gegründet haben.

»Wolfsbrigade, »Sturmbrigade« – die Namen sind ziemlich eindeutig. ­Anklänge an militärische Einheiten und Organisationen des historischen Nationalsozialismus dürften bei der Namensgebung beabsichtigt gewesen sein. Mittlerweile ermitteln Polizei und Bundesanwaltschaft gegen diese Gruppen.

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Am Dienstag vergangener Woche durchsuchte die Polizei auf Beschluss des zuständigen Ermittlungsrichters am Bundesgerichtshof mehrere Objekte in Sachsen-Anhalt, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. ­Wegen des Verdachts auf Gründung einer kriminellen Vereinigung beziehungsweise Mitgliedschaft in ihr nach Paragraph 129 des Strafgesetzbuchs durchsuchten Polizisten die Wohnungen von sechs Beschuldigten sowie vier nicht tatverdächtigen Personen. Die Beschuldigten werden verdächtigt, im Jahr 2018 als bewaffneten Arm des gewaltbereiten neonazistischen Zusammenschlusses »Wolfsbrigade« (auch »Wolfsbrigade 44« genannt) die »Sturmbrigade« (auch »Sturmbrigade 44«) ­gegründet zu haben. Zu Festnahmen kam es nicht, es sollte unter anderem ­geklärt werden, ob die Beschuldigten Waffen besitzen.

Ziel der Gruppe, deren Mitgliederzahl bislang nicht bekannt ist, soll ein vom »germanischen Sittengesetz« bestimmtes »Wiedererstarken eines freien ­Vaterlandes« sein. Nach Angaben der Generalbundesanwaltschaft »besteht der Verdacht, dass diese Ziele auch mittels Gewalttätigkeiten durchgesetzt werden sollen«.

David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des in Magdeburg ansässigen Vereins »Miteinander« zufolge zeigten die Ermittlungen, »dass gewaltbereite neonazistische Gruppen wie die ›Wolfsbrigade‹ überregional vernetzt agieren«. Begrich ergänzte: »Eine mögliche Gefährdung geht sowohl von Einzelpersonen aus dem Umfeld solcher Netzwerke als auch von den Gruppen selbst aus.« In diesem Zusammenhang erinnerte er an die diversen Waffenfunde, die mutmaßlichen Todeslisten und die rechts­terroristischen Anschläge der ver­gangenen Monate. Die von Begrich thematisierte überregionale Ver­netzung bestätigt auch die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns. Da die »Wolfsbrigade« in Rostock eine örtliche Gruppe unterhält, wird sie vom dortigen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet.