Der neue kroatische Präsident Zoran Milanović

Voll normal

Kroatiens neuer Präsident Zoran Milanović verspricht ein »normales« Land.
Porträt Von

Sexy klingt das nicht gerade. »Normal« soll Kroatien unter ihm werden, versprach Zoran Milanović im Präsidentschaftswahlkampf. Doch es kommt immer darauf an, mit wem man sich vergleicht. In Kroatien und Nachbarländern wie Ungarn, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina gilt es bislang weitgehend als »normal«, offen Nationalismus, Geschichtsrevisionismus und faschistische Ideologie zu verbreiten, Minderheiten wie Roma zu verfolgen oder Geschäftsaufträge, politische Ämter und Arbeitsplätze mittels Korruption und Nepotismus zu vergeben.

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Diese Normalität will der 53jährige Politiker der sozialdemokratischen Partei SDP jedoch hinter sich lassen. Vielmehr strebt der Jurist »normale« rechtsstaatliche Verhältnisse an, wie sie eher in Westeuropa herrschen, auch wenn die dortigen Länder in Sachen Antifaschismus, Wahrung der Menschenrechte und Korruptionsfreiheit sicher noch Luft nach oben haben.

Einen ersten Schritt hat Milanović schon getan. In der Stichwahl am Sonntag lag er mit 52,7 Prozent der Stimmen knapp vor der Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarović, die bis zu ihrem Amtsantritt 2015 Mitglied der nationalkonservativen Partei HDZ war. Grabar-Kitarović erhielt 47,3 Prozent der Stimmen. Nach dem ersten Wahlgang am 22. Dezember, bei dem Milanović mit knapp 30 Prozent der Stimmen auf dem ersten Platz lag, gefolgt von Grabar-Kitarović mit 27 Prozent, war befürchtet worden, dass die Nationalistin in der Stichwahl mit den Stimmen des Drittplatzierten, des rechten Musikers Miroslav Škoro, wiedergewählt werden könnte.

Škoro war von mehreren rechtspopulistischen und europaskeptischen Parteien unterstützt worden. Milanović gilt vielen als Hoffnungsträger dafür, dass der Einfluss von Nationalisten und Rechtspopulisten in Osteuropa schwindet. Als Präsident wird er allerdings vornehmlich repräsentative Aufgaben wahrnehmen. Von Ende 2011 bis Anfang 2016 war Milanović Ministerpräsident einer von der SDP geführten Regierung, die Parlamentswahlen 2016 gewann dann die HDZ, die seither regiert und mit deren Regierung er sich künftig verständigen muss.