Ärger über Kotze in Kreuzberg

Magdeburger Kotze

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Es ist genau wie am Ballermann, bloß mit Radwegen. Freitagnacht von der Nordsee nach Berlin-Kreuzberg zurückzukehren und beispielsweise die Oranienstraße entlangzufahren, ist nur ein begrenzt schönes Erlebnis. Gut, das war es früher auch, damals, als Touristenhorden die Gehwege blockierten und sich ganz allgemein so aufführten, wie sie es zu Hause vermutlich nicht durften, inklusive Passantinnen begrabschen und ihnen vor die Füße kotzen. Oder Passanten.

Im angesagten Szenebezirk mal so richtig die innere Sau rauszulassen, gehörte jahrelang zum Billigfliegerprogramm. Aber nun ist Corona. Beziehungsweise eben nicht. Denn sich an die Abstandsregeln zu halten, ist offenkundig nur etwas für Spießer und nicht für die einem gerade eingeparkten Mittelklassewagen mit Magdeburger Kennzeichen entsteigende, um es vorsichtig auszudrücken: nicht sehr alternativ oder gar links aussehende Jungmännerhorde, die sich mit Bierflaschen in der Hand laut grölend in die Nacht aufmacht. Es scheint auch nichts zu sein für die besäufnisorientierten Erlebnistouristinnen aus Frankfurt am Main, die ihr Auto bequemerweise gleich vor einer Bar geparkt haben und es als Cocktail-Abstellfläche nutzen. Irgendwie ist alles wie früher, als es noch kein Corona gab, es wird geknutscht und getanzt und gesoffen und sich verbrüdert und verschwestert und ach guck an, da vorne bekotzt jemand gerade einen Straßenbaum, wirklich wieder alles wie früher, obwohl, nein, eher den Radweg, na, da wird sich der nächste Fahrradfahrer aber freuen, wenn die Matsche ihm dann an die Hose oder die nackten Beine spritzt. Oder ihr.

So sieht es also aus, das hippe Ausleben von Träumen und Sehnsüchten und Utopien. Besoffene kotzen auf Radwege und betatschen fremde Leute. Und Kneipenbetreibern ist es völlig wumpe, ob es eine zweite Coronawelle geben wird oder nicht. Es ist sehr viel Elend.

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