Wie ein nazikompatibler Schwede und ein dänischer Rassist in Malmö eine Koranverbrennung inszenieren wollten

Judenhass auf beiden Seiten

Wie der nazikompatible Schwede Dan Park und der dänische Rassist Rasmus Paludan in Malmö eine Koranverbrennung inszenieren wollten.

Eine angekündigte und von der Polizei verbotene Koranverbrennung in einem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Stadtviertel, eine illegale Demons­tration, bei der ein Koran zerrissen wurde, sowie gewalttätige Gegenproteste führten am vorvergangenen Wochenende dazu, dass die schwedische Küstenstadt Malmö auch international in den Schlagzeilen landete.

Anzeige

Angemeldet hatte die Koranverbrennung der schwedische Provokationskünstler Dan Park und dazu den auf Koranverbrennungen spezialisierten dänischen Politiker Rasmus Paludan eingeladen, gegen den die Behörden des Landes jedoch aus Sorge um die »Reichs­sicherheit« umgehend ein zweijähriges Einreiseverbot erließen. Paludans Partei Stram Kurs (Harter Kurs) verbrannte daraufhin in Dänemark einen Koran und veröffentlichte ein Video davon auf Youtube, während Anhänger Parks in Malmö einen Koran zerrissen. Was in Malmö unter dem Deckmantel von Meinungs- beziehungsweise Religionsfreiheit stattfand, war ein Musterbeispiel dafür, wie Hassredner zweierlei Maß angelegen: eins an sich und eins an die anderen.

Im Januar 2009 brachte Dan Park einen Hakenkreuzaufkleber und eine Dose mit der Aufschrift »Zyklon B« vor den Räumen der jüdischen Gemeinde in Malmö an.

Jacob Mchangama, der Gründer und Vorsitzende des liberalen dänischen Think Tanks Justitia, hatte bereits voriges Jahr beklagt, Paludan gestehe an­deren das Recht auf Meinungsfreiheit nicht zu: »Der eine Standard, der für ihn selbst gilt, ist nahezu unbegrenzt« und umfasse derbste Beleidigungen und Drohungen, während er seine Gegner gern gern grundlos verklage. Damit passt Paludan ausgezeichnet zu denjenigen, die in Malmö die Koranverbrennung zum Anlass nahmen, ­gewalttätig gegen den Hass auf ihre religiöse Minderheit und deren mangelnden Schutz zu protestieren, selber aber unter anderem judenfeindliche Parolen riefen.
Paludan propagiert öffentlich immer wieder den store udskiftning, die anti­semitisch geprägte Verschwörungstheorie vom Bevölkerungsaustausch. Durch judenfeindliche Statements hatte sich auch der Anmelder der geplanten Koranverbrennung, Dan Park, hervorgetan. International bekannt geworden war er im Januar 2009, als er einen Hakenkreuzaufkleber und eine Dose mit der Aufschrift »Zyklon B« vor den Räumen der jüdischen Gemeinde in Malmö anbrachte. 2012 twitterte er »Ja, der Holocaust ist eine jüdische Lüge« sowie das Bild eines Davidsterns mit der Aufschrift »Don’t believe the hype«.
Das dänische Recherchekollektiv Redox sammelte bereits 2018 in einem ausführlichen Artikel Belege dafür, dass Park nicht nur provoziert, sondern sich auch gezielt mit Nazis umgibt. 2011 war Park bei einem Neonazi­treffen in Kävlinge, 2015 besuchte er ein Konzert des neonazistischen Netzwerks »Blood&Honour« in Ungarn, wo er, wie auch ein Jahr später, mit dessen ­Mitgliedern für Fotos posierte. 2016 in Stockholm und 2017 in Falun nahm Park an Demonstrationen der Neonazi-Organisation NRM (Nordische Widerstandsbewegung) teil, er war am 4. Februar 2018 bei einer Nazi-Demonstration von Det Nordiske Broderskab zum Gedenken an Frikorps Danmark, einer 1941 gegründeten, der SS unterstellten dänische Einheit. 2015 hat Park gemeinsam mit dem Galeristen Henrik Rönnquist zudem den schwedischen, bemerkenswert erfolglosen Ableger von Pegida gegründet.
Wie Park ist auch der Däne Paludan ein Selbstdarsteller, der das Internet schon früh für seine Zwecke nutzte. Dass 2019 neurologische und psychiatrische Untersuchungsergebnisse bekannt wurden, dürfte ihm allerdings nicht gefallen haben. Diese Gutachten hatte er in einem Beleidigungsprozess vorgelegt, den ein von ihm unter an­derem homophob beleidigter Polizist angestrengt hatte. In ihnen wird do­kumentiert, dass Paludan 2005 bei einem Verkehrsunfall einen Gehirnschaden erlitten habe, seither eine um 25 Prozent verminderte Erwerbsfähigkeit und »Schwierigkeiten« habe, die Fehler anderer Menschen zu tolerieren. Paludan wurde damals zu einer Geldstrafe verurteilt. Weitere Prozesse folgten, voriges Jahr musste er wegen rassistischer Äußerungen einen Monat ins Gefängnis.
Den aus seiner Sicht größten Erfolg erzielt Paludan mit Koranverbrennungen. Um die maximale Empörung zu erreichen, wickelt er die Bücher vorher in Schweinespeck ein, manchmal singt er dazu auch, dass alle Muslime auf der Stelle ausgewiesen werden müssten. Vermutlich hofft Paludan, dass langfristig auch seine Partei von solchen Provokationen profitiert. 2017 hatte er ­Stram Kurs gegründet, der einzige klar ersichtliche Programmpunkt der Partei ist die sofortige Ausweisung aller Muslime und aller Menschen mit zwei Staatsbürgerschaften, wozu auch die meisten dänischen Juden gehören dürften.
Stram Kurs gibt an, die philosophische Grundlage der Partei sei »ethnonationalistischer Utilitarismus«. Besonders erfolgreich ist die Partei bislang allerdings nicht, obwohl Paludan sie mit Hilfe des inzwischen geschlossenen Imageboards 4chan in die Schlagzeilen brachte, wo unter anderem ein Meme erstellt wurde, das ihn, im Stil des von der Alt-Right okkupierten Froschs Pepe gezeichnet, als Pepe-Paludan vor dem Zaun eines Internierungslagers für Muslime zeigt. Mit Hilfe eines manipulierten Links, der mehrfache Stimmabgabe ermöglichte, hatten 4chan-User es 2019 geschafft, dass Stram Kurs in einer Online-Wahlumfrage der Zeitung Ekstra Bladet 24 Prozent der Stimmen verbuchen konnte. Das tatsächliche Ergebnis der Folketingsvalg, der Wahl zum dänischen Parlament, fiel für Pepe-Paludan und seine Trolle jedoch ­ernüchternd aus, mit 1,79 Prozent der Stimmen blieb Stram Kurs unter der Zwei-Prozent-Sperrklausel.