Ein Blick auf die »fake news« nach Trumps Steuerskandal

Verifizierte »fake news«

Das Medium Von

Wie die kommenden Wochen des Wahlkampfs in den USA verlaufen werden, zeigte sich am Wochenende, als die New York Times ihren großen Bericht über Donald Trumps Finanz- und Steuersituation veröffentlichte.

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Es dauerte ungefähr zehn Minuten, bis der erste Kommentator auf CNN die Frage stellte, wie die Fanbase des US-Präsidenten denn wohl auf die Enthüllungen reagieren werde – und danach noch ungefähr 60 Sekunden, bis jemand antwortete: »Sie werden sie für fake news halten.« Und genau so kam es, aber natürlich wesentlich avancierter.

In der Zeit, die ein durchschnittlicher Leser brauchte, um den ersten Absatz des Artikels zu überfliegen, hatten die Trump-Fans sich ihre Meinung bereits gebildet: fake news. Ablenkungsmanöver. Aberaberaber Hillarys E-Mails. Und Bidens Sohn. Lügenpresse. Und so weiter.

Dann kam der große Auftritt von Project Veritas, einer aus Alt-Right-Aktivisten bestehenden Gruppe um den Provokateur James O’Keefe, der 2014 als Ussama bin Laden verkleidet die mexikanische Grenze überquert hatte, um zu beweisen, dass diese Grenze nicht sicher sei. Dass bin Laden damals schon drei Jahre tot war, spielte in der folgenden Empörung der US-Rechten keine Rolle, denn es geht Veritas um Emotionen, nicht um Fakten. Veritas konterte nun, flankiert von Breitbart und Tausenden Troll-Accounts, Trumps Steuerhinterziehungen mit einem wie üblich großflächig faktenfreien Video, das die Verstrickung der Abgeordneten Ilhan Omar in massiven Wahlbetrug zeigen soll und nach Meinung der Präsidentenanhänger auch zeigt.

Warum Twitter Project Veritas nach einer Vielzahl von bei Wikipedia nachzulesenden Lügengeschichten immer noch duldet und sogar als verifizierten Account ausweist – tja. Wundern sollte sich jedenfalls niemanden, wenn Trump wiedergewählt wird.