Das Medium

Schrecken mit Ende

Kolumne Von

Erinnert sich noch jemand an damals, als immense Aufregung wegen der Bonpflicht herrschte, vor nicht mal einem Jahr und in einer ganz anderen Welt, die schier stillzustehen oder vielleicht sogar unterzugehen drohte, weil es künftig zu jedem Schrippenkauf einen Kassenzettel geben würde? Was besonders schade sein würde, weil das bald einsetzende funkelnagelneue 2020 auf gar keinen Fall so ein Katastrophenjahr wie 2019 zu werden versprach, ging gar nicht anders, irgendwann musste es einfach mal wieder einen längeren Zeitabschnitt geben, in dem zur Abwechslung mal alles einfach ruhig vor sich hin läuft – hach – das würde schön werden, ganz bestimmt würde das schön.

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Es wurde nicht schön, was nicht an der Bonpflicht lag; andererseits sind die Zeiten so, dass aus zehn, 15 bonpflichtesken Themen mühelos genug Empörung und Hass gesogen werden könnten, um tatsächlich ein eigentlich vorbildlich angenehmes Jahr zu ruinieren und zu einem annus horribilis zu machen, wenn alle sich nur ein kleines bisschen anstrengen.

Nun haben wir also Pandemie und dazu viele Bemühungen, alles noch horribler zu gestalten, als es ohnehin schon ist, und daher wird seit Monaten mit Verve recht gehabt und herumpolitgegockelt, und wenn man damit fertig ist, gleich nochmal von vorn und bloß nicht auf logische Erklärungen hören, keinesfalls auf logische Erklärungen hören, die machen bloß alles kaputt.

Bleibt also nur, das alles leidlich stilvoll durchzustehen, immerhin hat der Mitbewohner günstig eine Menge Filme erstanden und es gibt auf jeden Fall Schlimmeres, als die Klassiker des Film noir nochmal anzusehen oder die wunderbaren Filme von Billy Wilder, und irgendwann gibt es bestimmt einen Impfstoff, und vielleicht wird vorher sogar auch noch Donald Trump abgewählt, könnte ja sein.