Die Reden von Joe Biden

Erst die US-Wahl, dann die Herbstmode

Das Medium Von

Nun ist es also fast vorbei, nur noch sechsmal Schlafen und dann ist Donald Trump abgewählt. Oder auch nicht.

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Streng genommen ist dies aber auch gar nicht die letzte Kolumne vor der Ab- oder Wiederwahl, die wird erst am kommenden Montag geschrieben, einen Tag vor dem großen und vielleicht niederschmetternden oder sehr erfreulichen Ereignis. Das wird ein Montag voller Dasitzen und Gedankenrasen, denn diejenigen, die den Text am Donnerstag lesen, werden drei Tage klüger sein als man selber und nicht nur schon genau wissen, wie die Wahl ausgegangen ist, sondern auch, ob sich eine friedliche Amtsübernahme abzeichnet, und was schreibt man solchen Leuten? Herbstmode, sagt die Redakteurin, Herbstmode geht immer, und da hat sie recht, aber nun geht es erst mal um Joe Biden, den Mann, dessen live übertragene Reden man in den vergangenen Wochen sehr zu schätzen gelernt hat. Nicht inhaltlich, nein, so genau muss man ihm gar nicht zuhören. Wie war das schön, als man die erste Rede anhörte und nach einigen Sätzen feststellte, dass ja, stimmt ja, genau, so können US-Präsidenten auch sprechen, in leidlich ganzen Sätzen und ruhigem Tonfall, ohne Hass und hämische Ausbrüche, aufs Thema konzentriert und ruhig. So ruhig. Was für eine Erholung nach – nope, keine Erholung, wenn man es recht bedenkt, keine Erholung nirgendwo, weil auch wenn Trumps Präsidentschaft im Januar vielleicht auch offiziell endet, bleiben da noch die Corona-Nazis, die in den kommenden Monaten auch weiterhin die eigene Dämlichkeit offensiv-stolz und nachgerade trumpesk präsentieren werden, während man gleichzeitig fassungslos dasitzt und vor Sorge um die, die man liebt, vergeht.

Aber vielleicht nächstes Jahr, vielleicht wird das nächste Jahr zum Ausgleich schön und ruhig und angenehm und erholsam. Oder vielleicht auch nicht.