»Something to Lose« von Better Person

Artifizieller Schmusepop

Platte Buch Von

Das Debütalbum von Adam Byczkowski alias Better Person ist lange erwartet worden, seit er 2016 die EP »It’s Only You« veröffentlichte und schnell als einer der vielversprechendsten Newcomer im Berliner Pop-Underground galt (Zimmer mit futuristischer Aussicht - Jungle World 37/ 2018). Für die Arbeit an »Some­thing to Lose« hat er sich allerdings geraume Zeit genommen und das Album schließlich in Los Angeles mit Ben Goldwasser von der psyche­delischen Indie-Gruppe MGMT produziert.

Anzeige

Die Geradlinigkeit und Direktheit seines verträumten Synthiepop mit Saxophon hat Better Person beibehalten und die Songtexte kreisen weiterhin ohne jede distanzierte Brechung oder Ironie um Liebe und Sehnsucht, ob auf Englisch oder auf Polnisch. Das artifizielle, stilisierte Achtziger-Jahre-Klanggewand verhindert aber eine allzu penetrante Echtheit, die sogar von der Schönheit der Popballaden Byczkowskis ablenken würde. Unter diese haben sich inzwischen, im Unterschied zur EP, auch ein paar flottere Yachtrock-Stücke gemischt. Der hitverdächtige Titelsong des Albums etwa eignet sich nicht nur zum Schmusen, sondern auch zum Tanzen.

Für die Veröffentlichung von »Something to Lose« ist Better Person seinem Label Mansions & Millions aus Berlin treu geblieben, das neben dem polnischstämmigen Songwriter mit Magic Island (Emma Czerny), Pictorial Candi (Candelaria Saenz Valiente) und den Soloprojekten der Bandmitglieder von Fenster eine ganze Schar von Pop-Sonderlingen veröffentlicht. Anton Teichmann, der das Label 2015 gründete, wurde für seine Arbeit jüngst auf dem Hamburger Reeperbahn-Festival mit einem Preis für die beste unabhängige Plattenfirma 2020 ausgezeichnet. Seit Beginn des Jahres betreibt er zudem mit Amande Dagod A-Okay, eine kleine Agentur für Musikmanagement, die auch etwas größere Indie-Acts wie Gurr, Coma oder eben die Band Fenster betreut. Als Management von Better Person dürfte auch mit dem Erscheinen des Debütalbums einige Arbeit auf sie zukommen.

Better Person: Something to Lose (Mansions & Millions/Arbutus Records)