Feng Shui für Hunde

Feng Shui für den Hund

Cocolumne Von

Schlimmer als lockdown ist eindeutig ein kranker Hund. Lockdown mit gesundem Hund ist einfach: Den Hund ins Auto packen, ­irgendwo ins menschenleere Grüne fahren und alles ist gut. Social distancing leicht gemacht. Doch Coco laboriert leider immer noch, ja seit März, an ihrer gebrochenen Elle und darf nur kleine Runden drehen, und ohne Leine laufen darf sie nur, wenn sie keinen Unfug anstellt, was sie aber sehr gerne macht. Also wie bekloppt durchs tiefe Laub rasen, über Äste hüpfen, auf Baumstümpfe springen und mit anderen Hunden toben. Sie kann das, sie will das, aber sie darf es nicht. Und das sind natürlich ganz schlechte Voraussetzungen. Dazu Homeoffice. Man ist also viel daheim. Dort darf sie zwar aufs Sofa, aber nicht alleine rauf- und vor allem herunterspringen, was sie aber selbstverständlich tun würde, wenn das Sofa nicht – seit einem halben Jahr jetzt schon – mit Gegenständen zugestellt wäre, was wenig ansehnlich und gemäß Feng Shui nicht optimal ist.

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Übrigens befinden wir uns in Schicksalsperiode neun, laut Feng-Shui-Zeitrechnung, der Schlamassel ging genaugenommen schon mit der Finanzkrise los. Dieses Jahr kam dann das Element Metall doppelt ins Potentialfeld, also ganz logisch alles, das konnte nicht gutgehen. Leider dauert die Schicksals­periode noch bis zum 22. Dezember 2043. Aber immerhin: 2022 kommt der Tiger mit dem Element Holz ins Spiel und das kann durchaus Gesundheit bedeuten. Diese Hoffnung zumindest macht uns Feng Shui-imperial master Mark Sakautzky auf Youtube. Leser der Brigitte dürften wissen, wovon ich spreche, oder die Mitarbeiterinnen der Firmenzentrale von Bosch und Siemens in München, die nach den Grundlagen ­dieser, ähem, Wissenschaft angelegt wurde.

Was nun kann Feng Shui für den kranken Hund tun? Selbstverständlich gibt es alles, was man zu Geld machen kann, auch für Hunde. Bosch, ja der Haushaltsgerätehersteller, hat auf ­einer eigenen Internetseite (tierisch-wohnen.de) die besten Feng-Shui-Tipps für Hunde zusammengestellt – nebenbei versucht er unauffällig Staubsauger gegen Tierhaare zu verkaufen. In Niedersachsen bietet die Hundepension Van de Baroshoeve Wellness für den Vierbeiner. Farblich ­abgesetzte Quadrate auf dem Fußboden sollen den Energiefluss im Raum optimieren. »Seit Feng Shui geht es mit ihm 200mal besser«, sagt Willem Bastinck, der Besitzer von Knut, einem Australian Shepherd, dem Hamburger Abendblatt.

Diese Erfolgsbilanz ist natürlich beachtlich. Da kommt man ins Grübeln, ob man wirklich alles getan hat für seinen kleinen Schatz. Ist man, wenn man nicht dran glaubt und keine Quadrate auf den Boden malt, auch eine Art Impfgegner, nur andersherum? Natürlich nicht, sagen Sie, klar. Aber was würden die Brigitte oder Bosch dazu sagen?