Trumps berüchtigte Telefonate

Billige Farben, billige Tricks

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Eigentlich ist nichts wirklich überraschend an dem komplett geleakten Telefongespräch, bei dem Donald Trump versuchte, Brad Raffensperger, Innenminister des Bundesstaats Georgia, zu überreden, das Wahlergebnis zu Trumps Gunsten zu ändern,. In diversen Büchern, inbesondere in Michael Cohens Enthüllungsbuch »Disloyal«, wurde bereits ausgiebig geschildert, wie der derzeitige US-Präsident geschäftliche Vorteile, persönliche Gefallen und vor allem Loyalität einforderte, nämlich mit einer Mischung aus Schmeicheleien, unverhohlenen Erpressungen und Drohungen. Etwas mehr als eine Stunde lang kann man sich nun anhören, wie Trump im Telefongespräch sein jahrzehntelang erfolgreiches Rezept mal wieder anzuwenden versuchte. 18mal, also rund alle drei Tage, hatte er zuvor in den vergangenen beiden Monaten vergeblich versucht, Raffensperger, einen ausgewiesenen Konservativen, zu erreichen. Wer die Schilderung des Wandfarbenskandals im Buch von Michael Cohen gelesen hat, war nicht überrascht. Cohen war ehemals der private Anwalt Donald Trumps und wusste einiges zu erzählen. Der Wandfarbenskandal begann damit, dass Trump für eines seiner Spas bei einem Hersteller jene Billigfarbe bestellt hatte, mit der Immobilienfirmen vor Besichtigungen ihre Objekte schnell mal aufhübschen. Weil Käufer ihre neuen Wände ohnehin umgehend neu streichen, ist diese Farbe nur für den kurzfristigen Effekt einsetzbar. Nicht mit Trump, wie Cohen akribisch schilderte. Obwohl Trump selbst schuld war, terrorisierte er die Farbenfirma sowie den Anstreicher mit pausenlosen Anrufen und war, wie im Gespräch mit Raffelsberger, keinem Argument zugänglich. Im Gegenteil, er drohte mit der Boulevardpresse, falls er nicht umgehend kostenlos neue, hochwertige Farbe erhalten würde. Am Ende erhielt er kostenlos mehrere Tausend Liter des teuersten Anstrichs, der im Angebot war – und bezahlte dem Malermeister keinen einzigen Cent.

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