Radiomacher András Arató will nicht vor Orbán kuschen

András Arató sendet gegen Orbán

Porträt Von

Der Budapester András Arató (57) ist Schriftsteller, Fotograf, Journalist und Unternehmer. Neuerdings ist er aber in den internationalen Medien vor allem als Feindbild Viktor Orbáns bekannt geworden. Dem Sender Klubrádió, dessen Geschäftsführer und Miteigentümer Arató ist, wurde am vorvergangenen Sonntag die Sendefrequenz entzogen, er ist deshalb nicht mehr mit Radiogeräten, sondern nur noch im Internet zu empfangen. Während als offizieller Grund für den Entzug der Frequenz kleinere bürokratische Verstöße genannt werden, beispielsweise eine ungenaue Dokumentation der gesendeten Musik, geht es in Wirklichkeit darum, den letzten unabhängigen Radiosender Ungarns mundtot zu machen.

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Alle anderen Radiosender sind entweder staatlich, gehören regierungsnahen Oligarchen oder beschränken sich auf Unterhaltung. Klubrádió bietet eine wichtige Plattform für unabhängige »Fakten und Meinungen« – so lautet dessen Slogan. Neben Nachrichten besteht das Programm hauptsächlich aus Talksendungen, die thematisch von Politik über das Geschäftsleben und den Alltag bis zu Wissenschaft reichen. In jeder Sendung können sich Hörer zu Wort melden, was sehr viele unterschiedliche Menschen nutzen – vom Rentner bis hin zur Professorin. Damit verweigert sich der Sender der Propaganda des NER, des »Systems der nationalen Zusammenarbeit«, wie Ministerpräsident Viktor Orbán das eigene Regime euphemistisch getauft hat. Dieses kontrolliert nun alle Tageszeitungen bis auf eine, die der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP) gehört, alle Radiosender und alle Fernsehsender bis auf den Unterhaltungssender RTL Klub und den kleinen Sender ATV, der im Besitz einer christlichen Glaubensgemeinschaft ist.

Freie Medien jenseits der reinen Unterhaltung gibt es nur noch im Internet. Wie lange das Klubrádió wenigstens online unbehelligt bleiben wird, ist aber unklar. Die ungarische Regierung attackiert Internetmedien und -konzerne seit der Stilllegung von Donald Trumps Twitter-Account kontinuierlich. In der regierungsnahen Tageszeitung Magyar Nemzet wurde jüngst allen Ernstes gefordert, »das Internet abzuschalten«, um die moralische Dekadenz aufzuhalten. Während man das noch als Ausrutscher à la Franz Josef Wagner abtun könnte, hat die Justizministerin Judit Varga angekündigt, nicht nur Regulierungen für Facebook vorzubereiten, sondern sogar über Sanktionen nachzudenken, damit »konservative« Stimmen nicht weiter zum Schweigen gebracht würden.