Die Serie »Cheyenne et Lola«

Zwei Damen vom Trailerpark

Das Medium Von

Nein, es ist nicht zwingende Voraussetzung, sich zu fühlen, als bestehe die Welt um einen herum fast ausschließlich aus selbstgerechten Trotteln und Trottelinnen, die nicht in der Lage sind, auch nur kurz nachzudenken, bevor sie etwas tun, um die Serie »Cheyenne et Lola« ganz wunderbar zu finden.

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Aber es hilft. Denn die in Deutschland weitestgehend ignorierte französische Produktion aus dem vergangenen Jahr ist in der Tat eine ganz bezaubernde Serie, in der die beiden Haupt­figuren, die schöne blonde Lola und die als Reinigungskraft arbeitende Einzelkämpferin Cheyenne, mit jeder Menge Mist fertigwerden müssen. Zunächst haben die Welten der beiden Frauen nichts miteinander zu tun: Lola führt zusammen mit ihrem Lover, dem blondgelockten Schönling, Motivationscoach und Pyramidenspielveranstalter Dany, ein Leben im Luxus.

Cheyenne dagegen ist noch nicht lange aus dem Gefängnis entlassen, in dem sie ein Jahr verbringen musste, weil sie ihren damaligen Freund nicht verraten wollte. Und nun lebt sie in ­einer Trailersiedlung am Meer. Alle um sie herum machen ihr das Leben schwer: Ihre Schwester, die über ihre angestrebte Karriere als sexy Bloggerin regelmäßig vergisst, ihre Miete zu bezahlen, oder sich mit den falschen Leuten anlegt; die örtliche Ganovenprominenz, die Cheyennes Verlässlichkeit schätzt; der Ex, der nach einem Gefängnisausbruch erwartet, dass sie mit ihm weit weg ins Ausland flieht. Dazu kommen die Polizei, die Trailer-Nachbarn, ein anderer Ex, der mittlerweile Polizist ist – und Lola, die aber wenigstens immer einen Ausweg weiß, wenn sie gerade wieder einen Unfug angerichtet hat. Die Lösung ­aller Probleme könnte eine eigene kriminelle Organisation sein, aber weil auch im mehr oder weniger organisierten Verbrechen Frauen nicht ernst genommen werden, erfinden sie einen ­mysteriösen Boss. Und ja, das ist sehr unterhaltsam.