Platte Buch: Asja Bakić: Mars. Erzählungen

Schreibend durch die Galaxis

Kolumne Von

»Der Körper ist auf dem Mars leichter, aber die Träume nicht«, notiert die Erzählerin. Sie fühlt sich nicht besonders wohl auf dem roten Planeten, wohin sie mit Schriftstellerkolleginnen und -kollegen verbracht worden ist. Auf der Erde sind Schreiben und Lesen längst verboten. Auf den Mars verbannt, hat die Autorin dann nicht mehr so recht Lust darauf, Texte zu verfassen.

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Der Klon Asja 5.0 dagegen schreibt viel. Der Schlossherr, bei dem sie untergekommen ist, verlangt, dass sie den ganzen Tag lang pornographische Geschichten schreibt. Asja 5.0 will vom Schloss fliehen, aber dafür braucht sie die Unterstützung der anderen Klone.

Abby hat ganz andere Probleme. Warum erlebt sie immer wieder den gleichen Tagesablauf und warum darf sie das Haus nicht verlassen? Warum kann sie sich nicht an ihr früheres Leben erinnern? Irgendetwas stimmt nicht, aber sie ist noch nicht ganz dahintergekommen, was es ist.

Die Frauen, von denen Asja Bakić in ihren Kurzgeschichten erzählt, ­geraten in außergewöhnliche Situationen. Und meistens hat das Schreiben etwas damit zu tun, denn die Literatur eröffnet neue, oft seltsame Welten. Zum Beispiel einer frisch verstorbenen Schriftstellerin, die im Jenseits einfach weiterschreibt. Ihre Literatur lässt einen »Riss an der Oberfläche der Wirklichkeit ent­stehen«, durch den die Tote ins Reich der Lebenden zurückkehren kann – als Zombie.

Bakić verbindet in ihrem kürzlich erschienenen Erzählband »Mars« pointierte Alltagsbeschreibungen mit Elementen aus Science-Fiction, Fantasy und Horror. Es begegnen einem Waldmonster, Roboter und Außerirdische. Oft sind die phantas­tischen Elemente subtil und tauchen nur als kurze Irritation auf. Man weiß beim Lesen nie so recht, was einen erwartet, und genau das macht den großen Spaß der Lektüre aus.

Asja Bakić: Mars. Erzählungen. Aus dem Kroatischen von Alida Bremer. Verbrecher-Verlag, Berlin 2021, 160 Seiten, 20 Euro