Das Medium: Nach der Pandemie

Große Vorfreude

Kolumne Von

Hach, das wird schön, wenn die Pandemie endlich vorbei ist. Ganz relaxed alles genießen, worauf so lange verzichtet werden musste, überall große Freude und großes Glück, und wir haben uns ja ewig nicht gesehen, komm, lass uns doch gleich da vorne einen Kaffee trinken, oh schau, da ist ja auch der Dingens, wie wunderbar.

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Feiern eben, laut oder leise, dass die Horrormonate vorbei sind und so vieles wieder möglich ist, und mit etwas Glück natürlich vor allem, dass man niemanden verloren hat. Herrliche Sommertage, voller Sonne und Wärme und Draußensein und zumindest eine Sorge weniger zu haben, zu baden und anschließend klatschnass im Sand oder Gras zu sitzen, und alle sind glücklich. Oder zumindest hochzufrieden.

So weit die Theorie. Natürlich könnte es wirklich sein, dass ab dem Moment, wo Sommer herrscht und alle Sommerdinge tun, eine gewisse Entspannung einsetzt, aber sehr wahrscheinlich ist das nicht. Sieht man ja jetzt schon, dass es zumindest in den sozialen Medien nach rund drei Tagen Erleichterung über an­stehende Erleichterungen gleich übergangslos mit der atemlosen Aufregerei weitergeht. Über alles wird sich empört, über Fahrradfahrer, Autofahrer, Jogger, Männer, Frauen, Kinder, dies, das, jenes, Studienabschlüsse, fettiges Essen, Prinz Harry, von der Weltpolitik jetzt mal ganz abgesehen. Und dann ist ja außerdem auch noch Wahlkampf, zumindest in den Köpfen der Fanboys und -girls praktisch aller Parteien. Unermüdlich preisen sie ihren politischen Lieblingsverein an und tun und machen und werden keine Ruhe geben. Mutmaßlich bis zum 26. eptember geht das so. Aber machen wir uns nichts vor, nach der Bundestagswahl ist vor irgendeiner Landtags- oder zur Not Kommunalwahl und es wird weiter angepriesen und gelikt, bis man es nicht mehr hören mag. Aber wenigstens ist Corona bald vorbei, mutmaßlich. Und demnächst fängt der Sommer an. Das wird schön, ganz bestimmt.