Klassenkampf - Computer mangeln der digitalisierten Schule

Schule 2.0

Kolumne Von

Das erste durchgehend coronabegleitete Schuljahr ist bald um, die letzten Noten werden eingesammelt, und bald schon werden die Klassenleitungen meiner Schule sich, einem alten Ritual folgend, um den einzigen für uns zugänglichen PC der Schule versammeln, auf dem Word installiert ist und von dem aus man deswegen die vom Senat vorgegebenen Zeugnisformulare auf dem vom Senat vorgegebenen Zeugnispapier ausdrucken kann, das wir nicht mit nach Hause nehmen dürfen.

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Es war ein aufregendes Jahr, in dem wir alle viel gelernt haben. Die Kinder können jetzt neuerdings tolle E-Mails schreiben, wir alle haben spannende Erfahrungen mit überlasteten Lern-Websites gemacht, wir können Videokonferenzen durchführen., ganz ohne zwanghaft »Hurenschwanz« in den Chat schreiben zu müssen, wir können das Mikrophon, falls wir eines haben, sofort ausschalten und auf dem Bett sitzend mit einer Hand die kleine Schwester trösten und mit der anderen Online-Aufgaben bearbeiten, wir können absolut alles in PDFs umwandeln, wir sind drin, wir sind da, wir sind im 21. Jahrhundert angekommen. Und es geht immer weiter: Meiner Schule wurden kürzlich noch mehr PCs für Lehrkräfte in Aussicht gestellt, vielleicht haben wir dann bald acht oder sogar neun, vielleicht bekommen wir einen zweiten, auf dem Word installiert ist. Für ein wenig Unmut im Kollegium sorgte allerdings die Vorgabe, dass wir künftig, wenn wir für unsere Arbeit private Endgeräte nutzen wollen, dies einmal pro Jahr bei der Schulleitung beantragen und von ihr genehmigen lassen müssen. Das klingt halt auch ein bisschen so, als hätten wir es im vergangenen Jahr falsch gemacht, und das lassen Lehrerinnen und Lehrer sich ja nicht so gerne sagen, vielleicht jetzt auch insbesondere nicht, rückblickend auf die Verwendung privater Endgeräte in diesem Schuljahr. Ich meine, natürlich hätten wir zwecks Durchführung der Videokonferenzen, für die meine Schule einen Anschluss von zu geringer Bandbreite hatte, die in der Schule stehenden PCs reihum nach Hause tragen und dort nutzen können, immerhin gibt es fast einen ganzen PC auf zehn Lehrkräfte. Allerdings wäre der zu Hause stehende Router dann vermutlich immer noch ein Problem gewesen. Zählen Headsets, Handys und Drucker auch als private Endgeräte?

Die Headsets meiner Schule sind derzeit an Schüler und Schülerinnen verliehen, aber es stimmt schon, die Handys zu ersetzen, wäre kein Problem gewesen: Es gibt das Telefon im Lehrerzimmer, von dem aus man hinter den plötzlich im Coronaloch verschwundenen Kindern hätte hinterher telefonieren können, ein bisschen Schlangestehen wäre ja vielleicht sogar ganz nett gewesen nach dem ganzen social distancing. Aber der einzige Drucker im Lehrerzimmer hätte halt doch wieder dort bleiben müssen – schon wegen der Zeugnisse. Denn die sind doch, alle wissen es eigentlich, das Wichtigste an dem ganzen Laden.