Kathy Hochul löst den wegen ­sexueller Übergriffe angeklagten Gouverneur von New York ab

Weiblich und nicht toxisch

Porträt

Witze über Sexisten sind besser als sexistische Witze – und eine engagierte Frau an der Spitze ist allemal besser als ein übergriffiger Mann. Die Demokratin Kathy Hochul wird am 24. August das Amt des New Yorker Gouverneurs Andrew Cuomo übernehmen, dessen Stellvertreterin sie seit 2015 ist. »Ich denke, es ist sehr klar, dass der Gouverneur und ich uns für lange Zeit nicht nahe waren, weder physisch noch sonst«, sagte Hochul am Mittwoch voriger Woche und erntete einige Lacher bei der anwesenden Presse. Sie sei viel gereist, erläuterte sie sodann.

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Cuomo hatte seinen Rücktritt angekündigt, nachdem er monatelange versucht hatte, Vorwürfe sexueller Belästigung auszusitzen, die elf Frauen gegen ihn erheben. Er bestreitet die Anschuldigungen. Seine Vorliebe für Küsse und Umarmungen habe er von seinen Eltern gelernt; als »missverstandene Zuneigung« wertet er daher das ihm vorgeworfene Verhalten.

Hochul, die unter anderem als Juristin gearbeitet hat, wird die erste Frau auf dem New Yorker Gouverneursposten sein, allerdings nur bis Ende 2022, wenn Cuomos Amtszeit hätte auslaufen sollen. Dann wolle sie sich zur Wahl stellen. Sie gilt innerhalb der Demokratischen Partei als der Mitte zugehörig, Cuomo dagegen als links. Die 62jährige will sich aber weiter für dieselben Belange einsetzen wie ihr Vorgänger.

Bezüglich der Vorwürfe gegen Cuomo hielt Hochul sich eher bedeckt, auch wenn sie sein Verhalten gegenüber Frauen, wie es im Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen beschrieben wurde, als »abstoßend« bezeichnete. Deutlich distanzierte sich die designierte Gouverneurin von der Arbeitsatmosphäre, die unter Cuomo geherrscht haben soll und von einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern öffentlich als »toxisch« beschrieben wird. Sie werde keine Person in ihrer Regierung behalten, der im Untersuchungsbericht »unethisches Verhalten« vorgeworfen wurde, betonte sie und versprach: »Am Ende meiner Amtszeit, wann immer sie endet, wird niemand meine Amtsführung jemals als toxisches Arbeitsumfeld bezeichnen.«

Das bleibt zu hoffen. Allerdings ist eine Frau an der Spitze keine Garantie für ein »nichttoxisches« Arbeitsumfeld, schließlich gibt es außer Sexismus noch andere Macht- und Unterdrückungsstrukturen, die Arbeit und Alltag vergiften können.