Kolumne Klassenkampf: Neue Dienstatablets in der Schule

Tablets fürs Kindervolk

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Ich mag es nicht. Es liegt hier herum in seiner Pappschachtel, es nimmt Platz weg, ich müsste es dringend einrichten, irgendwelche Adapter fehlen und auch der Eingabestift, aber eigentlich ist mir das egal, ich weiß ohnehin nicht, was ich damit soll. Oft setzt sich die Katze darauf, die wenigstens schaut dann ganz zufrieden.

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Aber vielleicht muss ich das erklären, vielleicht ist hier ein kleiner Rückblick hilfreich? Was also bisher geschah: Aufgrund einer schrecklichen Pandemie mussten alle Schulen Berlins in den vergangenen eineinhalb Jahren mehrfach geschlossen werden, was dazu führte, dass Kundschaft wie Personal zu Hause saßen und viel Zeit damit zubrachten, traurig in entweder die heimische Umgebung oder sogenannte Endgeräte zu schauen. Letztere brauchte man, um am »schulisch angeleiteten Lernen zu Hause«, kurz »saLzH«, teilnehmen zu können.

Solche Endgeräte wurden zunächst nicht vom Senat bereitgestellt. Schnell wurde offenbar, dass die mangelnde technische Ausstattung vieler Kinder ein Problem war, worauf der Senat flugs Geld zur Verfügung stellte, um Tablets unters Kindervolk insbesondere der Grundschulen zu bringen – jedenfalls ist das der Eindruck, der bei mir entstand, nachdem ich ungezählten Eltern erklären musste, dass ich auch nicht wisse, warum ihr Mittelstufenkind anders als seine kleineren Geschwister kein Tablet geschenkt bekommen hat. Bei uns wurden letztlich einige schuleigene Tablets verliehen und Laptops, die eine engagierte Lehrerin privat organisiert hatte, verschenkt. Wobei es gar nicht so einfach war, Kinder zu finden, die einen Laptop geschenkt haben wollten. Tablets wollten sie, nicht Laptops.

Und hier sehen wir wieder diese innere Distanz, diesen fast schon unüberwindbaren Abgrund, der uns trennt, mich und die Kinder, denn ich wollte: einen Laptop. Und dann hieß es ja auch, dass wir Laptops bekämen, Dienstlaptops, neu mit Datenschutz und allem Schnickelschnuckel, toll! Beziehungsweise, eigentlich hieß es halt, wir bekämen Tablets, Dienst­tablets, aber ich höre ja nie richtig zu, und deswegen dachte ich bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem ich die verdächtig kleine Schachtel in der Hand hielt, ich würde einen Laptop erhalten, und, naja, dann das.

Ein Tauschgeschäft wäre naheliegend, einmal Kind übern Tisch ziehen und man hat ein glückliches Kind und eine glückliche Lehrerin, win-win. Aber das würde die Schulbehörde wohl verhindern, meine Schulleitung raunte jedenfalls schon drohend, dass dort eine Verpflichtung für Berliner Lehrende, das Tablet und nur das Tablet für schulische Belange zu nutzen, diskutiert werde. Und so wartet es nun, mein Diensttablet, hier unter der schnurrenden Katze liegend, geduldig auf den Tag, an dem der Senat mich zwingt, ein ehrliches, hart arbeitendes Endgerät aus ihm zu machen.