Der einsitzende Micheil Saaka­schwili ist in einen Hungerstreik getreten

Zwangspause

Porträt Von

Ausspannen und Nichtstun – so eine Pause hätte Micheil Saakaschwili sich verdient. Denn sein Leben ist in den vergangenen Jahren äußerst turbulent verlaufen. Etwas tun kann der ehemalige georgische Präsident (2004 bis 2013) derzeit tatsächlich kaum, doch entspannend ist das keineswegs, sondern lebensgefährlich. Der 53jährige befindet sich seit mehreren Wochen aus Protest gegen seine Festnahme in Georgien im Hungerstreik. Vergangene Woche wurde er von der Haftanstalt Rustawi in das Krankenhaus des Gefängnisses von Gldani gebracht. Er will in ein ziviles Krankenhaus verlegt werden; er fürchte um sein Leben und sei misshandelt worden, so der ­Politiker.

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In seiner Zeit als georgischer Präsident hatte er nicht nur für radikale wirtschaftsliberale Reformen gesorgt, sondern auch die organisierte Kriminalität und Korruption bekämpft. Nun fürchtet er in Haft offenbar die Rache einiger ­damals inhaftierter Krimineller. Wie schlimm die Zustände in georgischen Gefängnissen zumindest während seiner Amtszeit als Präsident waren, bezeugten Videos, die kurz vor den Parlamentswahlen 2012 aufgetaucht waren und zeigten, wie Häftlinge gequält und sexuell missbraucht wurden. Die Videos hatten damals einen großen Anteil daran, dass seine Partei die Wahlen verlor.

Saakaschwilis politische Karriere war aber noch nicht vorbei, ab 2015 war er in der Ukraine als Berater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko (2014 bis 2019) tätig. Von Mai 2015 bis November 2016 brachte er es sogar zum Gouverneur der Oblast Odessa. Seine georgische Staatsbürgerschaft gab er 2015 auf, auch weil in Georgien mittlerweile mehrere Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden waren, unter anderem wegen Amtsmissbrauchs. Weitere Highlights in seinem Leben mit wechselnden Staatsbürgerschaften waren eine missglückte Flucht über ein Kiewer Hausdach, die Abschiebung nach Polen, der Versuch, unter dem neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij politisch wieder Fuß zu fassen, und nach einigen Umwegen schließlich die Wiedereinreise nach Georgien am 1. Oktober, woraufhin er sofort festgenommen wurde. Denn 2018 war er in ­Abwesenheit in mehreren Verfahren zu mehrere Jahren Gefängnis verurteilt worden. Saakaschwili behauptet, die Urteile seien politisch motiviert.